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Cycplus R200 Smarttrainer – Eine ernsthafte Alternative zu den bekannten Smarttrainern?

In diesem Cycplus R200 Smarttrainer Test teile ich meine Erfahrungen aus zwei Wochen Indoor-Training und vergleiche ihn direkt mit dem Wahoo Kickr.

Lange Zeit hat mich während meiner gesamten Radelzeit nichts wirklich davon überzeugen können, mein Training nach drinnen zu verlegen. Viel zu gern bin ich draußen unterwegs – egal ob auf dem Rennrad, dem Tourenrad oder in der Schwimmhalle. Für mich gehörten Wind, Wetter und das Unterwegssein immer ganz selbstverständlich zum Training dazu.

Gerade in den Wintermonaten bedeutete das jedoch auch: weniger Struktur, mehr Improvisation. Meist schwang ich mich auf den Stahlrahmen meines Tourenrads oder ging vermehrt laufen. Funktionierte – aber so richtig gezieltes Radtraining war das nicht.

Einen Winter lang hatte ich dann doch ernsthafte Ambitionen, mir einen Wahoo Kickr zuzulegen. Die Idee, strukturiert zu trainieren, Leistung gezielt zu steuern und auch bei schlechtem Wetter sinnvoll Rad zu fahren, hatte ihren Reiz. Gleichzeitig waren da aber große Zweifel: Würde ich meine Nachbarn im Wohnblock über, unter und neben mir dauerhaft nerven? Und ist man wirklich bereit, einen vierstelligen Betrag für ein Gerät auszugeben, das am Ende vielleicht doch nur gelegentlich genutzt wird?

Diese Gedanken führten letztlich dazu, dass ich den Kauf immer wieder aufschob.

Warum überhaupt ein Smarttrainer?

Spätestens mit zunehmendem Interesse an Trainingssteuerung, Leistungswerten und Intervallen kommt man an Smarttrainern kaum vorbei. Sie ermöglichen strukturierte Einheiten, kontrollierte Belastung und realistische Simulationen – unabhängig von Tageszeit, Wetter oder Verkehr.

Der Haken: Viele der bekannten Modelle sind teuer, groß, schwer und wirken auf Einsteiger eher abschreckend. Genau hier setzt der CYCPLUS R200 an – zumindest auf dem Papier.

Cycplus – ein kurzer Blick auf den Hersteller

Cycplus ist ein chinesischer Technologie- und Fahrrad-Zubehör-Hersteller (hier geht es zum Hersteller), der in den letzten Jahren vor allem durch Fahrradcomputer, Sensoren und Zubehör aufgefallen ist. Mitte Oktober 2025 brachte Cycplus mit dem R200 Smarttrainer ein Direktantrieb-Modell auf den internationalen Markt.

In Deutschland sind Cycplus-Produkte mittlerweile über diverse Online-Shops, Fahrrad-Onlineshops und Marktplätze erhältlich. Neben dem R200 bietet der Hersteller auch leistungsstärkere Modelle wie den Cycplus T2 Smart Trainer an.

Der R200 richtet sich klar an Hobbysportler, Zwift-Nutzer, Einsteiger mit Ambitionen, aber auch an fortgeschrittene Fahrer, die eine präzise Leistungsmessung möchten, ohne gleich im Premiumsegment einzusteigen.

Technische Daten & Ausstattung im Vergleich

MerkmalCYCPLUS R200 SmarttrainerWahoo KICKR V6
Trainer-TypDirektantriebDirektantrieb
Maximale Leistungbis zu 2200 Wbis zu 2200 W
Leistungsgenauigkeit±1 % (Herstellerangabe)±1 %
Simulierte Steigungca. 19 %20 %
KonnektivitätBluetooth 5.0, ANT+Bluetooth, ANT+, Wi-Fi
Cassette im Lieferumfangneinja (11-28)
Gewichtca. 13,6 kgca. 22 kg
Abmessungen (B×T×H)ca. 52×47×46 cmca. 71×51×44 cm
Stromversorgung
48 V / möglich ohne Netzteil
100-240 V (Netzbetrieb)
Besondere FeaturesKompakt, relativ leiseXL-Flywheel, Side-to-Side-Movement, Auto-Kalibrierung, Wi-Fi
Preis-PositionierungBudget / MittelklassePremium-Segment
ZielgruppeEinsteiger bis FortgeschritteneAmbitionierte und Profis

Lieferumfang und erster Eindruck

Der Trainer kam gut verpackt in passgenauem Styropor bei mir an und pünktlich, bevor Tief Elli sich endgültig über mein Zuhause legte. Meine Euphorie war entsprechend groß: Der Nachmittag war gedanklich schon für die erste Einheit reserviert.

Die erste kleine Ernüchterung folgte jedoch schnell: Keine Kassette im Lieferumfang. Das ist zwar nicht unüblich, erwischt einen aber trotzdem kalt, wenn man es gerade nicht auf dem Schirm hat. Zum Glück hatte ich erst vor Kurzem die Kassette an meinem alten Rennrad erneuert. Also kurzerhand demontiert und auf den Trainer geschraubt. Ersatz kann später kommen, bis es draußen wieder richtiges Rennradwetter gibt, dauert es ohnehin.

Aufbau und Platzbedarf

Der Aufbau selbst ging erfreulich unkompliziert von der Hand. Die beiden Querstreben werden mit insgesamt vier Schrauben montiert. Unter den Füßen befinden sich kleine Drehfüße, mit denen sich der Trainer exakt ausrichten lässt. Das ist ein Detail, welches im Alltag wirklich Gold wert ist.

Kennzeichnungen auf den Füßen zeigen eindeutig, wie herum sie montiert werden müssen. Nach wenigen Minuten stand der R200 stabil vor mir. Im direkten Vergleich zum Wahoo Kickr wirkt der R200 etwas kompakter und filigraner. Kurz kam die Frage auf, ob das zulasten der Stabilität geht, dazu aber später mehr.

Gerade für kleinere Wohnsituationen ist die kompakte Bauweise ein echter Pluspunkt. Im Sommer lässt sich der Trainer gut verstauen, im Winter nimmt er bewusst einen festen Platz ein.

Inbetriebnahme und die App

Laut Cycplus kann der R200 auch ohne Netzteil betrieben werden, da er sich selbst mit Strom versorgt. Für alle Funktionen, insbesondere Downhill-Simulation, wird jedoch der Betrieb mit Netzteil empfohlen.

Nach dem Einstecken blinkt eine blaue LED und signalisiert die Kopplungsbereitschaft. Die Cycplus App ist im Play Store nicht sofort prominent zu finden, über die Herstellerseite jedoch schnell installiert. Die erste Verbindung dauerte etwas länger als gewohnt, funktionierte dann aber zuverlässig.

Kurz darauf traf auch die BC2-Fernbedienung ein, mit der sich der Widerstand manuell regeln lässt. Sie ist nicht zwingend notwendig, erhöht aber den Komfort, insbesondere, wenn man nicht ständig zum Smartphone greifen möchte.

Kopplung mit Wahoo-Radcomputer, Pulsgurt und Co.

Auch die Kopplung mit meinem Wahoo-Radcomputer (hier geht es zum Test des WahooAce) und dem Pulsgurt verlief grundsätzlich problemlos, benötigte aber etwas Geduld. Interessant: Sobald der Wahoo verbunden ist, wird die BC2-Fernbedienung überschrieben und Watt lassen sich somit nur noch über den Wahoo steuern.

Das ist etwas schade, da die kleine Lenkerbedienung durchaus praktischer ist als das Drücken der Seitentasten am Radcomputer. Für strukturiertes Training ist das jedoch eher zweitrangig.

Training mit Zwift und anderen Plattformen

Stumpfes Treten ohne Ablenkung ist nicht mein Ding, also ab zu Zwift. Der Verbindungsaufbau verlief reibungslos, allerdings nur, wenn der Wahoo-Radcomputer vorher entkoppelt war. Kein großes Problem, da alle relevanten Daten ohnehin in Zwift landen.

Egal ob freies Fahren, lange Grundlageneinheiten oder intensives Intervalltraining: Die Widerstandsänderungen sind weich, flüssig und gut dosiert. Steigungen fühlen sich realistisch an, Intervalle werden sauber umgesetzt. Natürlich ersetzt das kein echtes Bergauffahren, aber man kann sehr gut und sehr gezielt darauf trainieren.

Stabilität im Wiegetritt

Beim ersten Aufstehen im Wiegetritt war ich vorsichtig. Durch die kompakte Bauweise fühlte sich das System zunächst etwas weniger massiv an als bei großen Premiumtrainern. Vor allem bei hohen Wattzahlen wirkte es anfangs leicht wackelig. Mit zunehmendem Vertrauen legte sich dieses Gefühl jedoch schnell. Auch kräftige Antritte bei hoher Wattzahl hielt der Trainer problemlos aus. Ein Umkippen blieb glücklicherweise aus.

Geräuschentwicklung und Alltagstauglichkeit

Während meines zweiwöchigen Trainings stand der R200 auf einer alten Yogamatte. Nach einigen Tagen bildete sich eine kleine Welle in der Matte, vermutlich durch seitliche Lenkerbewegungen. Der Trainer selbst blieb jedoch stabil an Ort und Stelle.

Die Geräuschentwicklung empfinde ich als angenehm zurückhaltend. In meiner früheren Wohnsituation hätte ich mich nun auch zu normalen Tageszeiten in einem Mehrfamilienhaus getraut zu trainieren. Natürlich hängt das stark von der Bausubstanz ab, aber der R200 ist definitiv wohnungstauglich. In meiner aktuellen Wohnung kann ich glücklicherweise zu jeder Tages- und Nachtzeit fahren, ohne Rücksicht nehmen zu müssen.

Für wen ist der CYCPLUS R200 geeignet?

Für mich ist der CYCPLUS R200 eine richtig gute Möglichkeit, in die Welt der Smarttrainer einzusteigen. Er ist deutlich preiswerter als viele bekannte Modelle, bietet aber mehr als genug Leistung, Genauigkeit und Stabilität für mein Training.

Der Kauf ist vielleicht etwas aufwendiger als beim Gang zum lokalen Händler, aber keinesfalls kompliziert.

Ich werde auch weiterhin so oft wie möglich draußen trainieren. Doch für die Zeiten, in denen Wetter, Dunkelheit oder Motivation das nicht zulassen, ist der R200 eine echte Unterstützung.

Und auch wenn ich Zwift & Co. lange skeptisch gegenüberstand: Die gute Umsetzung, die flüssige Steuerung und das realistische Fahrgefühl machen Spaß – und bringen mich selbst im tiefsten Winter meinen sportlichen Zielen ein gutes Stück näher.

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