Günstig reisen mit dem Rad

Günstig reisen mit dem Rad: für 50 Euro von Schweden nach Deutschland

Wie kommt man günstig von Schweden nach Deutschland (oder andersrum)? Mit dem Fahhrad natürlich! Günstig reisen mit dem Rad bedeutet in diesem Fall: 50 EUR. Günstiger wird der Trip vom oder ins skandinavische Land nicht. Und dabei bin ich zwei mal übers Wasser gefahren. Ich erzähle euch, wie das geht. Zum Nachahmen empfohlen!

Start Teil I: Losfahren in Göteborg

21.07-2026. Meine Rig ist mit allem gepackt, was ich für diesen 615 km langen Trip von Göteborg nach Bremen brauche: Klamotten, Übernachtungssachen (für draußen Schlafen) und Proviant. Ja genau: ich habe Proviant für drei Tage dabei. Fast alles Essen, was ich unterwegs brauche. Daher komme ich unterwegs mit 50 EUR aus, aber der Proviant hat auch nicht die Welt gekostet, da er selbst hergestellt ist. Unterwegs hab ich mir lediglich noch was Spezielles für Abends gegönnt – einen Snack oder ein Bier.

Günstig reisen mit dem Rad

Die Fahrt in Göteborg ist nicht lang. Ich muss nur ca. 10 km zur Fähre überbrücken, die mich nach Dänemark bringen wird. Ich habe 44 EUR für ein Ticket (1 person mit fahrrad) bezahlt.

Günstig reisen mit dem Rad

Den Check-In der Stena Line Reederei befahre ich wie die Autos auch. Ich werde sogar von einer Einweiserin aufgefordert, an der langen Autoschlange vorbeizufahren. Fahrräder haben bei Stena Line scheinbar Vorfahrt, very nice. Aber am Ticket-Schalter erwartet mich die erste Ernüchterung: seit 2026 müssen Radfahrer auf dem Gelände von Stena Line eine neonfarbene Warnweste tragen. Das ist neu und ich habe keine dabei. Die Mitarbeiterin am Schalter scheint in Bezug auf mich einen guten Tag zu haben und spendiert mir eine. Wäre sie straight gewesen, hätte ich sie erwerben müssen, um die nächsten 300 m bis zum Boarding der Fähre zurücklegen zu dürfen. Kommt mir ein bisschen wie Schikane vor.

Günstig reisen mit dem Rad

Ich radel weiter bis zu einer Stelle, wo andere Radfahrer stehen. Alle in Warnwesten. Als wir aufgefordert werden, auf die Fähre zu fahren erwartet und die nächste Schikane: wir müssen unserer Fahrräder an Bord schieben. Auch das ist neu. Also steige ich ab und schiebe mein Rad. Für einen Offraodfahrer wie mich ist das leicht entwürdigend, aber Stena Line wird einen Grund haben, warum sie neuerdings die Radfahrer dazu zwingt.

Die Fähre ist an diesem Sommer-Urlaubstag gerammelt voll. An bord versuche irgendwo einen Platz zu ergattern, wo ich mich halbwegs hinlegen kann. Mein Tag fing bereits um 4:30 Uhr an und ich habe heute noch ca. 170 km mit dem Rad vor mir. Ein Powernapp wäre nicht schlecht. Aber überall sind plärrende Kindern und sich lautstark unterhaltende Eltern. Unruhig kann ich mehr schlecht als recht mithilfe meiner Oropax etwas dösen.

Start Teil II: Frederikshavn

3,5 h später legt die Stena Line Fähre in Fredrikshavn an. Ab hier beginnt nun meine eigentliche Bikepackingfahrt Richtung Heimat in Deutschland. In Dänemark scheinen alle entspannter zu sein: ich kann die Fähre radelnd und ohne Warnweste verlassen. Es ist 12 Uhr. Die Sonne scheint von einem klarblauem Himmel. Es wird heute eine heiße Sommerfahrt.

Mein Ziel ist ein dänischer Shelter in ca. 160 km Entfernung. Der Wind ist mir einigermaßen wohlgesonnen und kommt anfangs von hinten, später von der Seite. Die ersten 60 km in Dänemark sind flach wie ein Pfannkuchen. Irgendwann werde ich von einem Rennradfahrer eingeholt, der mir signalisiert, ich solle mich hinten dranhängen.

Hinter ihm fährt ein weiterer Bikepacker. Ich zögere nicht lang und reihe mich hinter den beiden ein. Die Pace ist ein gutes Stück höher als meine eigene als Solorider. Kurze Zeit später schert der Bikepacker aus und ich bleibe allein mit dem Rennradfahrer zurück. Ich schließe zu ihm auf und er stellt sich als Däne auf Trainingstour vor. Der andere Bikepacker war ein Österreicher, erzählt er mir. Der Däne hat ein ordentliches Tempo drauf und nach 15 km verabschieden wir uns, da er umkehrt, um zurück zu fahren.

An meinem angepeilten Shelter angekommen muss ich feststellen, dass er bereits von einer dänischen Familie in Beschlag genommen ist. Die bieten mir jedoch sogleich ihr Zelt an falls ich bleiben möchte. So nett sind die Dänen. Aber nach einem kurzen Blick in die Shelter-App sehe ich den nächsten in knapp 10 km Entfernung und ich entschließe mich, es zu versuchen.

Und der nächste Shelter ist tatsächlich frei. Super schön inmitten eines Waldstücks gelegen, fernab von Autostraßen. Die Dänen haben das mit den Sheltern echt drauf. In 200 m Entfernung gibt es sogar eine Handpumpe, mit deren Hilfe ich den klebrigen Schweiß des Tages von mir bekomme. Der Rest ist Legende – eine warme Mahlzeit durch den Gaskocher und im Shelter in meinen Dauenschlafsack gekuschelt, um zu milden Waldgeräuschen einzuschlafen, gibt nichts besseres.

Tag 2 – Flensburg

Draußen zu schlafen macht das Leben intensiv. Der Intantkaffee schmeckt besser als die Café Crema auch meinem Edel-Vollautomat zu Hause. Und der warme, einfache Porridge ist ein köstiches Mahl. Die Morgenluft ist frisch, aber auf dem Rad wird mir bald warm werden.

Heute sind es ca. 200 km bis nach Flensburg bzw. zum nächsten Shelter knapp oberhalb der deutschen Grenze. Die Strecke hält 1.300 hm für mich bereit.

Danmark er ett smukt Land, sehr grün und alles pikobello. Vereinzelt findet man noch immer Hinweise auf den Start der Tour de France anno 2022, was hierzulande frenetisch gefeiert wurde und die zudem dann auch noch Jonas Vingegaard zum ersten Mal gewann.

Die Dänen machen es Radreisenden leicht. Nicht nur haben sie eine sehr durchdachte Integration von Radfahrern und Autos auf ihren Straßen und die im Lande verteilten 3.000 Shelter zum übernachten – es gibt zudem auch noch sehr viele super schöne Pausenorte und kleine Überraschungen wie Frischwasserzapfsäulen.

Der Tag läuft wie geplant. Die 200 km sind insgesamt anstregend, aber ich erreiche Kollund und das dortige Supershelter. Es gibt dort gleich 5 Shelter. Zu meinem Entsetzen sind jedoch alle schon belegt. Vor einem sitzt unentschlossen ein deutsches Radfahrerpärchen. Als ich sie frage, ob wir uns das riesige Shelter teilen können, sagen sie, dass sie ihr Zelt aufschlagen wollen und ich das Shelter für mich alleine haben kann. Bingo.

Ich habe mich so sehr an die Shelter-Situation in Dänemark gewöhnt, dass ich mittlerweile kein Zelt mehr mitnehme. Das kann mitunter bedeuten, dass man so wie ich gestern ein paar extra km fahren muss. Heute hab ich einfach nur Glück gehabt. Touch wood.

Tag 3 – Bremen

Erneut unglaublich gut geschlafen. Ich habe auf dieser Reise den etwas dickeren Schlafsack mitgenommen (Komfortbereich bis 5° anstatt 10), was eine sehr gute Entscheidung war. Mir war zu keinem Zeitpunkt kalt, obwohl die nächtlichen Temperaturen recht frisch waren.

Der dritte und letzte Tag ist mit 240 km am längsten und auch am eintönigsten. Kaum bin ich über die deutschte Grenze geradelt, werde ich auf den ersten 20 km drei Mal von Gassigehern und Fußgängern auf dem Radweg verkehrserzogen. Willkommen in Deutschland.

Die restierenden 6 EUR (von 50) gebe ich beim Überqueren der Elbe zwischen Glückstadt und Wischhafen für die Fähre des Betreibers FRS aus. Genaugenommen sind es 6,60 EUR. Als Rad- oder Motorradfahrer kann einfach an der kilometerlangen Autoschlange vorbeifahren.

Tipps für´s Bikepacken (in Dänemark)

Falls du gerne draußen schläfst: lade dir die Shelter-App runter. Wild campen ist in Dänemark nicht erlaubt.

Essen mitzuführen kann die Reise sehr kostengünstig halten, aber der ganze Proviant wiegt auch was und macht dein Rad noch schwerer als es ohnehin schon ist.

Die Fährverbindung Göteborg-Fredrikshavn ist mit dem Rad nicht teuer, sollte jedoch rechtzeitig über das Onlineportal von Stena Line gebucht werden.

In Dänemark und Schweden kannst du alles mit der Visa-Card bezahlen. Einheimische Währung muss man nicht mitführen.

Selbst im Sommer können die Nächte gut abkühlen. Eine Daunenjacke für die abendliche Mahlzeit im Freien ist empfehlenswert.

Die Supermärkte haben in Dänemark auch sonntags auf. Manche Ketten bis 21 Uhr, in den größeren Städten bis 23 Uhr.

Willst du noch mehr über Tripps durch Dänemark lesen? Dann schau dir meinen Bericht von der Shelter Attack Tour im Mai an.

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