Der australische Schuhhersteller Bont hat jüngst seine Modell-Palette erweitert. Wir haben zwei Schuhe aus dem Offraod-Bereich getestet. Ließ hier, was die Schuhe außer Breite noch können – der Riot G für 289 EUR und der Superschuh Vaypor SL G für 499 EUR.
Inhalt
Wer ist Bont?

Bekannt ist die Marke für ihren Ansatz, anatomisch korrekte Sport-Schuhe herzustellen. Im Rennradbereich insbesondere bekannt als Spezialist für breitere Füße. Damit trifft Bont einen ebenso aktuellen wie empfindichen Nerv bei Radsportlern. Denn die Schuhe der verbreiteten Marken wie Specialized, Sidi, Giro, Shimano oder Rapha haben eines gemeinsam: sie sind schmal geschnitten. In den Zehenboxen dieser Schuhe geht es entsprechend eng zu. Du hast schmale Füße und kommst seit Jahren mit deinen Sidis klar? Dann kannst du dich glücklich schätzen. Bont Schuhe könnten dennoch intressant für dich sein, denn gerade der Vaypor SL G hat viele Merkmale eines Spitzenschuhs.


Breite Schuhe sind im Trend
Vielleicht gehörst du aber zu einer wachsenden Mehrheit von Rennradfahrern, denen die Radschuhe zu eng sind. So wie ich auch. Ich bin jahrelang mit Rapha und anderen schmalen Schuhen gefahren und war zufrieden. Bis ich nach einer Langdistanz zurückkam und mir der linke kleine Zeh sonderbar wehtat. Der Schmerz ging nicht weg und bei der nächsten Langdistanzfahrt quälte mich der Zeh über die Maßen. Es sollte sich herausstellen, dass ich ein Hühnerauge entwickelt hatte. Das bildet sich in der Regel aufgrund von Druckstellen, vor allem dann, wenn man viel Zeit in den (zu engen) Schuhen verbringt.
Ein Hühnerauge bleibt lange, aber es heilt von alleine ab. Wenn man die Ursache abstellt. Und diese lag nunmal an den Schuhen. Ich mag meine Rapha-Schuhe. Mein erster Impuls war also in Berlin in den Rapha-Store zu gehen und die Schuhe in 1 und 1,5 Nummern größer zu testen. Aber mein damals sehr schmerzempfindlicher Zeh signalisierte mir sofort, dass das alleine keine echte Abhilfe sein würde. Nach einem Schnellschusskauf von Scott-Schuhen in einer viel zu großen Größe, die das Problem auch nicht lösten, fing ich an, das Thema ausführlicher zu recherchieren. Durch den Bikefitter und Youtuber James Thomas (Link zu seinem Schuh-Ranking) werde ich auf Bont aufmerksam.

Der Schuhhersteller aus Australien hat erkannt, dass Radfahrer heutzutage breitere Schuhe brauchen. Daher bieten sie ihre Schuhmodelle in 2 Varianten an: Standard (normale Breite) und Wide (breit) an. Manche Modelle gibt es sogar in einer dritten Variante: extra breit. Aber die getesteten Vaypor SL G und Riot G nicht.
Woher weiß ich, welche Schuhbreite für mich die richtige ist?
Auf der Homepage von Bont gibt es einen sehr genauen Ratgeber bezüglich der Größe und der Breite (Link). Ihn anzuwenden ist einfach, da man seinen aktuellen Schuh und dessen Größe eingibt und dann die entsprechende Bont-Größe angezeigt bekommt. Für die Breite sollte man seinen eigenen Fuß messen. Steht man zwischen zwei Größen oder Breiten oder sich nicht sicher sein, kann man Bont kontaktieren. So tat ich es und erhielt sehr prompt eine Empfehlung, die sich als sehr treffsicher erweisen sollte.

Für diesen Test bekam ich die Schuhe in Standard als auch in Wide. Und beim Tragevergleich stellte sich der Vorschlag des Beraters bei Bont als richtig heraus: bei meiner Vorgeschichte fühlt sich die Wide-Version besser an. Aber es ist nicht nur besser, sondern mein Fuß fühlt sich seit langem außergewöhnlich wohl in einem Radsportschuh. Der Schuh ist vorne fast schon eckig, statt schlank gerundet wie die meisten, aber das fällt nur auf, wenn man von oben draufguckt. Und das gute Platzgefühl in der weiten Zehenbox ist unbezahlbar.

Was kann der Bont Vaypor SL G noch außer breit?
Der brandneue Vaypor SL G ist das Flaggshiff der Australier in der Sparte der Dirt-Schuhe. Das meint, dass sie für SPD-Cleats ausgelegt sind, die typischerweise bei MTB oder Gravel zum Einsatz kommen. Durch die kleinen, in der Sohle versenkten Cleats kann mit den Schuhen ziemlich gut gelaufen werden, um Hindernisse zu überwinden oder auch in den Supermarkt zu gehen.
SL könnte für Superlight stehen. Der Schuh hat eine Meshoberseite und wiegt gerade mal 607 g (beide Schuhe, ohne Cleats) in meiner Größe 44 in der Version Wide.


Die Carbonsohle ist aus Toray-Fasern und kann bei Bedarf durch Erhitzen des Schuhs im Ofen in gewissem Maß an den Fuß angepasst werden (Bont hat dazu ein Howto-Video auf YouTube). Die Markierungen auf der Sohle machen die Ausrichtung des Cleats zu einem Kinderspiel. Außerdem positiv ist die Möglichkeit, die Cleats sehr weit hinten anbringen zu können. Seit längerem ein Tipp unter Bike- bzw. Schuhfittern.

Die Schnürung besteht aus einer asymmetrischen Zunge und zwei Boa-Li2-Einstellrädchen die den unteren Schuhteil und eine über den Spann gelegte Lasche festziehen. Das Boa-System hat sich schon längst in der Rennradsezene etabliert. Die Schuhe sind dadurch blitzschnell eingestellt und nachjustierbar, sogar beim Fahren. Beim Vaypor SL G kommen die bidirektionlen BOAs zum Einsatz, man kann sie also fester oder lockerer drehen. Wenn ich an den Boas ziehe, springen sie auf und geben den Fuß schnell frei.

Die Zehenbox: hier hat Bont seine besondere Entwicklung zur Breite und es fühlt sich an, als biete die Box dem Fuß ein richtiges „Bett“. Die Box ist an den Seiten steif, dadurch sind die Zehen nie eingeengt, auch wenn ich den Schuh sehr fest zuziehe. Ansonten ist die obere Mesh-Partie flexibel und atmungsaktiv. Die Wide-Version des 44er Schuhs ist insgesamt ca. 5 mm breiter als die Standard-Version. Man kann das auch an der Einlegesohle erkennen:

Look & Feel
Der Bont Vaypor SL G sitzt auf Anhieb gut an meinem Fuß. Die Carbonsohle ist bretthart, was gut auf dem Rad ist, beim Gehen jedoch eher nachteilhaft. Nach vorne hat die Sohle jedoch einen leichten Rocker, sodass man beim Gehen doch etwas abrollen kann. Aber das ist insgesamt ok, denn der Vaypor ist ja primär für´s Rad gedacht, nicht für den Spaziergang.
In weiß sehen die Schuhe fantastisch aus. Man trägt sie natürlich in Kombination mit weißen Socken. Beim weißen Vaypor SL G gefällt mir die schwarz abgesetzte Carbonsohle, die hinten leicht hochgezogen ist. Ein wahrer Hingucker.
Auf dem Rad enfaltet sich das wahre Potenzial des Schuhs. Er überträgt die Kraft extrem gut. Durch das weiter hinten montierte Cleat steht der Schuh anatonimsch sehr gut über der Pedalachse. Meine Füße haben den Platz, den sie brauchen, ohne dass sich der Vaypor SL G loße am Fuß anfühlt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es auch wirklich dazu beiträgt, aber es fühlt sich so leicht an, mit diesem Schuh zu pedalieren – als ob sein leichtes Gewicht dafür verantwortlich wäre.
Bont Riot G – der Einsteiger?
Der Riot G von Bont ist deren Einsteiger-Schuh. Aber auch hier erwartet einen allerhöchste Ansprüche an Verarbeitung. Und auch hier kann zwischen den beiden Varianten Standard und Wide gewählt werden.
Der Riot G ist um einiges günstiger und muss aber nur auf Weniges im Vergleich zum Vaypor SL G an Ausstattung verzichten. Auch er hat Boa-Verschlüsse, aber nur unidirektionale Version L6, die sich zu- aber nicht aufdrehen lässt. Das Obermaterial ist aus Mikrofaser und Mesh und ist der Riot G um einiges schwerer.



Ansonsten steht der Riot G dem Vaypor SL G in nichts nach: auch er hat die sehr steife Carbonsohle, die sich hinten hochzieht, dieselben hilfreichen Cleat-Positionsmarkierungen und vor allem ist das Gefühl an den Füßen identisch zum Vaypor SL G. Den Riot G gibt es nur in schwarz, während der Vaypor SL G sowohl in weiß als auch in schwarz erhältlich ist.
Eine Besonderheit des Riot G ist, dass ihm kleine Shim-Scheiben beiliegen, die man unter die abnehmbaren s
Bont Schuhe im Praxistest
Der Vaypor SL G als auch der Riot G sind exzellent auf dem Rad. Die Carbonsohle überträgt jedes einzelne Watt, dass ich in Richtung Pedale gebe. Die Wideversion gibt meinen Zehen angenehm viel Platz, ohne dass der Schuh undefiniert wirkt. Es ist ein beschwingendes Gefühl, in diesen Schuhen zu radeln. Das kommt beim leichteren Vaypor SL G vielleicht sogar noch ein Quäntchen mehr zu Geltung.

Obwohl das Cleats weit hinten platziert ist (was den Schuh nach vorne bringt), habe ich zu keinem Zeitpunkt Toe-Overlapping mit dem Vorderrad an meinem Gravelbike. Die einfacheren, unidirektionalen Boa L6 Verschlüsse beim Riot G haben beim Fahren für mich keinen Nachteil. In der Regel stelle ich den Schuh nach etwas fahren eher fester, denn lockerer.

Ein Offroadschuh in weiß, ob das so schlau ist?, kann man sich fragen. Zurecht. Aber er sieht einfach so gut aus. Wenn ich im Regen damit unterwegs bin, hatte ich bislang Überschuhe drüber, um das leuchtende weiß noch lange zu erhalten. Der schwarze Riot G ist hier natürlich robuster und wenn man ihn mit schwarzen Socken kombiniert, mag die Farbe in Ordnung gehen.

Fazit
Mich faszinieren die Schuhe von Bont. Vor allem die Wide-Version. Sie sind mit der breiteren Zehenbox unglaublich komfortabel. Ich will diesen Komfort nicht mehr vermissen. Meine anderen Radschuhe werden es fortan schwer haben. Der Bont Vaypor SL G sticht besonders heraus. Er ist federleicht und verfügt über alle Bleeding Edge Technologien moderner Radschuhe. Ins Pedal geklickt liefert er durch die steife Carbonsohle eine äußerst gute Kraftübertagung ab. Und ich finde den weißen Schuh mit der schwarzen Sohle und den weißen Stollen auch optisch sehr gut gelungen.

Bont ruft für sein Dirt Flaggschiff Vaypor SL G 499 EUR auf. Das ist bei den Topmodellen der Hersteller ein Preis, der 2026 zur Normalität geworden ist. Die Topmodelle anderer Hersteller (z.B. S-Works Ares 2 oder Lakes CX403) spielen ebenfalls in dieser Preisliga. Aber man wird bei Bont nicht enttäuscht. Nachdem die geschilderten Probleme mit engen Schuhen mir das Radfahren fast unmöglich gemacht hatten, kann ich die Wide-Version der Bont nur empfehlen. Und wem die 500 EUR für den Vaypor SL G zu viel sind, der wird auch mit dem kleineren Modell Riot G (289 EUR) glücklich werden.
Der Riot G ist ein wirklich sehr sehr guter Schuh für Offroad. Der Vaypor SL G ist fantastisch. Und in schneeweiß erhältlich.
Die Schuhe sind online über den niederländischen Vertreiber Reins beziehbar. Durch den Versand aus Europa ist die Lieferzeit kurz und man muss sich keine Sorgen wegen Importzölle machen. Zum Zeitpunkt dieses Artikels (März 2026) ist der Vaypor SL G dort für 469 und der Riot G für 239 EUR verfügbar.
Zum Schluss ein Tipp gegen Geruchsbildung
Über Kurz oder Lang ist es irgendwann soweit – der Sportschuh fängt an zu müffeln. Grund dafür sind Bakterien, die sich im Schuh einnisten und deren Abbauprodukte den unschönen Geruch hervorrufen. Dieser Prozess lässt sich jedoch mit ein paar einfachen Tricks sehr lange hinauszögern. Nach einer langen Fahrt, vor allem wenn viel geschwitzt wurde oder der Schuh durch Regen nass geworden ist, sollte man ihn trocknen. Ich habe mir angewöhnt, nach jeder Fahrt die Sohle rauszunehmen, um das Trocknen zu beschleunigen. Noch schneller geht das, wenn man den Schuh auf die Heizung oder an einen anderen warmen Ort legt.


Ein besonders effizienter Trockungsvorgang ist die Schuhe direkt nach der Tour für 20-40 Minuten auf ein Schuhtrockner zu stecken. Den Schuhtrockner von Amazon für nen schmalen Taler haben wir hier vorgestellt.
Diese Maßnahmen werden nicht auf ewig die Bakterienbildung vermeiden, aber der Prozess wird sehr lange hinausgezögert. Und wenn es dann doch so weit ist, hilft ein Auswaschen mit sehr heißem Wasser und etwas Waschmittel – das tötet die Bakterien weitestgehend ab.

























