2026 ist die Ausstellerliste auffällig kurz, es fehlen fast sämtliche bekannten Namen, die Hallenflächen sind reduziert und es sind merklich weniger Besucher da. An den zwei Tagen, die wir dort sind, finden wir zwar nicht allzu viele Fahrräder, aber dennoch gibt es auf der Eurobike 2026 Neuvorstellungen und zwar einige – wir stellen sie vor.
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Ernüchterung im Vorfeld
Als ich im Vorfeld die Ausstellerliste durchging kam schon die erste Ernüchterung. Es fehlen quasi alle namhaften westlichen Hersteller (wir berichteten). Letztes Jahr waren die Hallen 12, 11, 9 und 8 proppenvoll, Halle 11 sogar über zwei Etagen hinweg. Dieses Jahr sind es nur noch drei Hallen, die zum Teil nur zur Hälfte belegt sind.

Als wir in Halle 8 versehentlich zwischen zwei Trennwänden durchgehen stehen wir auf einmal im Niemandsland.
Nach Fahrrädern sucht man fast vergebens auf der Fahrradmesse, jedenfalls was Rennräder angeht. Am Stand eines Herstellers fragt uns nach dem fachlichen Austausch der Vertreter, „sagt mal Jungs, was denkt ihr über die Messe? Das macht doch kein Spaß, oder?“ Ein anderer Kollege spricht von „Totentanz“ und man kann sich ob der dünn besiedelten Hallen diesem Eindruck nicht entziehen.

Und dennoch haben die Hersteller, die da sind, eine ganze Reihe an Prototypen und Vorserienmodelle auf ihren Ständen, die es zum ersten Mal hier auf der Eurobike 2026 zu erblicken gibt, was uns wieder etwas versöhnt.
Die Produktlaunches
Wenden wir uns also den Lichtblicken zu, die es trotz der ausgedünnten Herstelleranzahl auf der Eurobike 2026 gab. Mein Kollege Andi hat in seinem Bericht die beiden wesentlichen Neuerscheinung unter den Westmarken vorgestellt: das Canyon Predict und das Ridley Kanzo Fast 2.0 (Link zu seinem Artikel).




Meine persönliche Meinung zum Canyon Predict: Die Designstudie ist vor allem deshalb so spektakulär, da all diese Technologie in einen super slicken Aerorahmen integriert ist. Keine Kabel, kein Gedöns. Nur windströmungsoptimierte Ästhetik. Aber was ist es nun für ein Fahrrad? Die verbaute Sicherheitstechnologie passt wunderbar zu einem urban Bike, mit dem man sich im Großstadtverkehr bewegt. Aber nicht so recht zu einem Rennrad, mit dem man in der Gruppe mit 40 kmh über einsame Landstraßen fährt. Und für ein Rennrad hat es einfach vielleicht ein bisschen zu viel Elekronikintegration. Wir konnten das Gewicht nicht erfragen, aber es wird nicht leicht sein. Wir konnten nicht die Praktikabilität des Radcomputers testen, der viel weiter hinten sitzt, als die übliche Position vor dem Lenker. Ebenso fraglich bleibt die Performance des Computers an sich: ist er auf Augenhöhe mit Garmin, Wahoo und Hammerhead, die seit Jahren ihre Produkte verfeinern und verbessern? Wenn der integrierte Computer da nichthalten kann, wird das wenig Akzeptanz unter Rennradfahrern finden. Den avisierten Preis für dieses futuristische Flaggschiff konnten wir auch nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht ist das die Zukunft des Rennradfahrens, aber vielleicht ist es auch nur eine wenig praktikable Designstudie.
Ridley Kanzo Fast 2.0

Das Ridley Kanzo Fast 2.0 ist hingegen keine unpraktikable Designstudie. Der Racegraveler wurde bereits auf dem Rennen The Traka im Mai gefahren und bietet eine Reifenfreiheit von 57 mm (2,2″). Am Ausstellungsstück sind 55 mm Reifen verbaut und es ist noch gut Luft im Rahmen. Die breiten Felgen sind mit Carbonspeichen bestückt, was die Renngene dieser Maschine unterstreicht. Wir konnten es nicht fahren, aber wie es dasteht, ist dem Kenzo Fast 2.0 schon anzusehen, dass es Offroadtrails zum Frühstück nascht. Und zwar mit Highspeed. 7.499 EUR wird der Preis für diesen Prachtgraveler sein.

Gusto GTG

Gusto als Slowenien agiert seit 8 Jahren auf dem deutschen Markt. Im Sortiment hatten sie bislang das Aerobike GTR und ein Allroad namens Cobra (siehe Bild oben). Beide mit Carbonrahmen, integriertem Carboncockpit und Carbon Sattelstütze. Sogar Carbonlaufräder sind ab Werk dabei. Es gibt sie wahlweise mit mechanischer oder elektrischer Schaltgruppe und das Cockpit ist nach Belieben in Länge und Breite konfigurierbar.

Auf der Messe wurde das Gravelbike GTG gelaunched. Es hat eine eher raceorientierte Geometrie und verträgt ordentlich breite Reifen. Zudem werkelt hier ein Freilauf mit richtig fettem Sound, wovon wir uns bei einer Probefahrt überzeugen konnten. Und das vielleicht Interessanteste an der Flotte von Gusto: man wird für deren Vollcarbonräder kein Vermögen los. Das Cobra mit mechanischer Shimano 105er liegt bei ca. 2.400 EUR.
Lightcarbon LCG072-D

Am Stand von einem der wenigen übrig gebliebenen chinesischen Herstellern fanden wir wie im letzten Jahr erneut eine Messeneuheit vor: den Gravelracer namens LCG072-D. Der Rahmen nimmt 50mm weite Reifen auf und das Rad wiegt wie abgebildet 7,7 kg. Das bei Lightcarbon unschlagbare Argument ist der Preis: Das Rahmenset inkl. konfigurierbarem Aerocockpit und Carbon Sattelstütze liegt gerade mal bei 970 USD. Die Rahmen von Lightcarbon sind vielleicht nicht die leichtesten, aber sie sind unglaublich stabil und haltbar. Ich fahre selbst den Vorgänger LCG071-D und hab damit über 18.000 km runter, ohne dass der Rahmen in irgendeiner Hinsicht schwächelt.

Neu am Graveler ist ebenfalls das im Unterrohr verbaute Staufach und die Windeyes an der Sattelstrebe.

Carbon Speed GRT

Carbon Speed präsentieren ihren neuen aero-orientierten Gravelrahmen GRT (steht für Gravel Racing Technology) am Stand in Halle 8. Der Rahmen weißt viele Aerooptimierungen auf wie man sie bei Rennrädern vorfindet: das schmale Design des Steuerrohrs oder der dort ebenfalls zu findende „Speedsniffer“, den man vom Tarmac SL8 kennt. Das überzeugendste Argument dieses Rahmens ist jedoch die Fähigkeit, überbreite Reifen zu schlucken.

Um das zu demonstrieren haben sie 2.4″ (61mm) Reifen installiert und es ist noch immer ein bisschen Platz vorhanden. Damit übertreffen sie sogar das Ridley Kenzo Fast 2.0. Auch die Laufräder aus dem eigenen Hause D53TU-41 sind massiv und passen gut ins das stimmige Gesamtbild des Builds. Sie kommen mit 32,5mm Maulweite und einer Außenweite von 43mm daher und wiegen 1.369 gr. Der Build wiegt insgesamt nur 7,9 kg. Für das Rahmenset werden 1.490 USD fällig. Für das Cockpit weitere 340 USD.

Ihre Rahmen fertigen Carbonspeed in Monocoque-Bauweise, also eine einzige Form ohne Joints, an denen der Rahmen hätte zusammengeklebt werden müssen. Das ist schon eine sehr erstaunliche Fertigungs-Technologie, zumal sie innerhalb des Rahmens in Unterrohr und Oberrohr noch weitere Streben verbaut haben, um ihn steifer zu machen.

Hier ist das gut an ihrem Aerorahmen Vortex zu sehen.

Auch das Vortex haben sie als fertigen Build mitgebracht. Der Rahmen bietet eine Reifenfreiheit von 35, wenn nicht sogar 38 mm.
Light Bicycle AG48 (Laufradsatz)

Diese ebenfalls aus China kommende Marke kannte ich bislang nicht, aber deren Gravel Laufradsatz fing meine Aufmerksamkeit: der AG48 (Aero Gravel) verfügt über eine Maulweite von erstaunlichen 35mm und toppt damit alles, was ich bislang gesehen habe. Sie sind 48 mm hoch und wiegen mit den Tune-Naben 1.448 g. Die Laufräder sind frei konfigurierbar, neben dem Nabenhersteller kann man auch die Art des Carbonlayups auswählen (z.B. Flyweight). Außerdem haben sie Carboncockpits im Programm:

auf der Messe haben sie einen Prototypen mit 140mm Vorbau an ihrem Stand. Und der Marketing Manager Charlie präsentiert mir nicht ohne Stolz die Vorserie der Carbonachsen mit golden abgesetztem Gewinde. 28 g wiegt das Set gerade mal.

Tavelo Grow und Arden
Tavelo haben ihren neuen Aerorahmen Arden mit. Aber vor allem fängt der schon auf den China Bike Show präsentierte Racegraveler Grow meine Aufmerksamkeit: er kann Reifen von 55 mm (vorne) und 50 mm (hinten) fassen. Das Rahmenset mit konfigurierbarem Cockpit und Custompaint gibt es für 1.880 USD. Das Besondere bei Tavelo ist, dass sie über ein German Warehouse verfügen und man auch komplette Fahrräder kaufen kann. Das auf der Messe gezeigte kostet 5.200 EUR. Darin inkludiert ist ein Bikefitting, sodass man ein perfekt auf sich abgestimmtes Rad erhält. Diesen Dienst bieten sie bislang nur in Belgien an, in Deutschland befindet sich das im Aufbau.

Die Laufräder des Grow aus dem eigenen Hause sind ebenfalls sehr interessant: Pertual Sharp GR 47/53 haben eine Maulweite von 32 mm und sind außen 40 mm. Sie wiegen 1.355 g und kosten als Laufradsatz 1.000 EUR.

Winspace T1600 Ultra und G5

Winspace war einer der ersten chinesichen hersteller, die damals auf die europäische Eurobike kamen. Sie halten seit der Messe seit jeher die Treue. 2026 werden hier gleich mehrere Neuheiten präsentiert: Tavelo hat die Neuauflage des Aerorahmens T 1600 mit, der mit dem Zusatz „Ultra“ im Namen die neue Version verkörpert.

Das auffälligste Merkmal daran ist die breite Aerogabel, die an das Factor One erinnert. An der Satteltrebe haben sie weiterhin das bekannte Windeye. Auch bei Winspace gibt es die Möglichkeit, das Fahrrad als kompletten Build zu kaufen. In der gezeigten Konfiguration mit Dura Ace kostet es 7.000 USD und wiegt 7,2 kg. Der Rahmen allein liegt bei 2.550 USD, mit Cockpit bei 2.900 USD.

Das Design der breiten Gabel und dem Windeye haben sie ebenfalls für die neueste Version ihres Gravelrenners übernommen: dem Winspace G5. Es kann Reifenbreiten von 57 mm (vorne) und 52 mm (hinten) aufnehmen und hat wie bei Lightcarbon ein Staufach im Unterrohr, der durch einen schlau konstruierten Magnetverschluss sauber einrastet.

Das Rahmenset kostet 2.200 USD, mit Carboncockpit 2.350 EUR.
Und so vieles mehr

Am Stand von Revv Biketech staunen wir über die hochpräzisen Naben, die über 6 Sperrklinken mit Spiralfedern verfügen und einen 3,75° Eingriff verfügen. Eine ingenieurstechnische Meisterleistung, die man wahrlich spürt, wenn man den Freilaufkörper dreht.

Bei Eie Carbon zeigt man uns die ebenfalls sehr breiten Gravel-Carbonlaufräder mit Naben aus eigenem Hause (im Bild ein Straßen Laufradsatz). Auch hier bietet der Hersteller viele Konfigurationsmöglichkeiten des Laufradsatzes.

Auch bei Nepestsports fallen mir die neuen Carbonlaufräder Reli 54 auf: eine Maulweite von 24 mm und Außenweite von 33 mm machen sie ideal für einen 30er Reifen. Bei 54mm Höhe kommen die mit einem Gewicht von 1.325 g daher.
Interessant ist auch der Fahrradkoffer von B&W: dieser ist breiter gebaut, sodass der moderne Cabonrenner hineinpasst, ohne dass man das hochintegrierte Cockpit abnehmen muss. Das sieht nach der Zukunft des Verreisens mit dem eigenen Rennrad aus.
Fazit zur Eurobike 2026
2025 hatte sich die Eurobike wie ein Comeback der einst größten Fahrradmesse angefühlt. Die sehr ausgedünnte Herstellerlandschaft 2026 war sehr ernüchternd. Dennoch hat es enorm Spaß gemacht, die Neuheiten zu entdecken udn daran den Trend im Markt ablesen zu können: Im Gravelbereich werden die Rahmen immer raceorientierter und der persönliche heiße ich die Entwicklung zu Rahmen, die Reifen mit Mountainbikebreite aufnehmen können sehr. Ich bin letztens erst zwei Gravelrennen gefahren (Shelter Attack und Bremen555) und hab davon mitgenommen, dass die Reifen nicht breit genug udn die Gänge nicht klein genug sein können. Und die Hersteller scheinen das ebenfalls aufgefasst zu haben. Ob im Roadsegment die Technisierung der Räder so kommen wird, wie Canyon sich das vorstellt bleibt abzuwarten. Es ist definitiv innovativ von denen, das auf der Eurobike 2026 als Neuheit so stark zu inszenieren.

Ob die Messe sich ins Jahr 2027 selbst retten kann oder ob wir wiederkommen – ich weiß es nicht. Es ist schade, dieses einstige weltweite Flaggschiff von Messe so heruntergemagert zu erleben. Aber die Erben stehen schon in den Startlöchern, wie z.B. die Cycling World in Düsseldorf, von der wir berichteten. Oder wir wechseln nächstes Jahr den Kontinent und besuchen die China Bike Show, mal sehen.



































