Thermoregulation mit der Izi Hydrogel Kühlweste – Trainieren wie Tadej Pogačar

Wenn Tadej Pogačar bei der Tour de France auf der Rolle sitzt, geht es nicht nur darum, ein paar Minuten die Beine zu bewegen. Während sich der Profi auf seinen Einsatz vorbereitet, wird nichts dem Zufall überlassen, auch die Körpertemperatur nicht. Eine auffällige Kühlweste die Izi Hydrogel Kühlweste gehört dabei mittlerweile genauso zum Bild wie das Zeitfahrrad, der Radcomputer und die Wattwerte.

Und genau da stellt sich für uns Hobbyfahrer natürlich die Frage: Kann man sich ein kleines Stück Pogačar-Feeling nach Hause holen und bringt das überhaupt etwas?

Denn während der Tour Profi mit perfekt abgestimmtem Training, hochwertigem Material und einem kompletten Betreuerteam unterwegs ist, sitzen wir Hobbyfahrer meistens eher allein auf der Rolle. Vor uns der Ventilator, neben uns die Trinkflasche und irgendwo im Hintergrund der Wäschekorb. Die Voraussetzungen sind also etwas anders

Trotzdem lässt sich aus dem Profisport einiges für das eigene Training übernehmen. Gerade beim Rollentraining zu Hause wird die Hitze schnell zum limitierenden Faktor. Die Belastung ist hoch, der kühlende Fahrtwind fehlt und schon nach kurzer Zeit läuft der Schweiß.

Ich wollte wissen, ob die Izi Hydrogel Kühlweste Kühlweste nicht nur bei Pogačar und Co. funktioniert, sondern auch ob für das Training eines ambitionierten Hobbyfahrers zu Hause eine sinnvolle Ergänzung sein kann. zusätzlich stellt sich die Frage, kann ich als Hobby Athlet die Weste auch sinnvoll in anderen Bereichen einsetzen. Beispielsweise vor einem rennen, Je nach Jahreszeit kann es am Start eine sinnvolle Ergänzung sein oder auhc bei anderen renne. beispielsweise Rad am ring wo fahrer sich abwechseln und zwischendurch etwas Abkühlung sinnvoll ist.

Material

Das Herzstück der Kühlweste ist ein wasserabsorbierendes Polymer. IZI macht aus der genauen Zusammensetzung bewusst kein großes Thema und spricht lediglich von einem patentierten, wasserbindenden Polymer. Die kleinen, trockenen Polymergranulate sitzen in den verschlossenen Kammern der Weste und verwandeln sich nach dem Kontakt mit Wasser in ein weiches Hydrogel.

Das Prinzip ist dabei durchaus bekannt: Solche sogenannten Superabsorber können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen und dieses innerhalb ihrer Polymerstruktur binden. Ähnliche Materialien finden sich beispielsweise in der Landwirtschaft, wo Hydrogele als Wasserspeicher eingesetzt werden, oder – in anderer Ausführung – in Hygieneprodukten.

Bei der Kühlweste wird dieses Prinzip allerdings für die Kühlung genutzt. Das gespeicherte Wasser wird beim Tragen langsam an die Umgebung abgegeben und verdunstet an der Oberfläche. Genau diese Verdunstung entzieht dem Körper Wärme. Nach Angaben des Herstellers besteht das aktivierte Hydrogel zu mehr als 95 Prozent aus Wasser.

Welche konkrete Polymerchemie IZI dafür verwendet, bleibt offen. Die Ähnlichkeit zum Funktionsprinzip anderer Superabsorber ist allerdings unübersehbar.

„Wer beim Stichwort Hydrogel an Windeln oder Wasserspeicher für Pflanzen denkt, liegt mit dem Grundprinzip gar nicht so falsch – Die Izi Hydrogel Kühlweste nutzt eine ähnliche Materialklasse allerdings für einen völlig anderen Zweck.“

Vorbereitung

Die Vorbereitung ist extrem einfach. Theoretisch kann die Weste kurz vor dem Einsatz aktiviert werden, etwas Vorlaufzeit schadet aber nicht.

Dafür wird die Weste einfach für einen Moment vollständig unter Wasser gehalten, bis sich das Hydrogel ordentlich vollgesogen hat. Das funktioniert problemlos unter fließendem Wasser im Waschbecken. Anschließend überschüssiges Wasser abstreifen, kurz abtropfen lassen und die Weste ist einsatzbereit.

Wer nicht direkt mit einer nassen Weste loslegen möchte, kann sie vorher kurz in ein Handtuch wickeln und etwas warten. Dadurch wird überschüssiges Wasser aufgenommen, ohne dass die Weste ihre Kühlwirkung verliert.

Soll die Kühlwirkung für etwa 1–2 Stunden zusätzlich verstärkt werden, kann die aktivierte Weste eingefroren werden. Dafür sollte sie möglichst glatt und trocken in den Gefrierschrank gelegt werden. Im Test hat sich außerdem ein Handtuch zwischen den einzelnen Lagen bewährt. So lassen sich die gefrorenen Schichten später leichter voneinander trennen.

Beim Umgang sollte trotzdem etwas Vorsicht gelten. Die Weste und insbesondere die Kühlkammern sollten nicht unnötig belastet oder beschädigt werden. Entstehen Löcher oder Risse im Material, kann das Hydrogel an diesen Stellen austreten und die Kühlwirkung entsprechend verloren gehen.

Anwendung und Anwendungsbereiche

Die Anwendung ist denkbar einfach: Weste aktivieren, anziehen und los geht’s. Im Test hat sich als erste Schicht ein dünnes, eng anliegendes Funktionsshirt beziehungsweise ein Trikot bewährt. Über der Weste sollte möglichst nichts mehr getragen werden, damit die Verdunstungskühlung richtig arbeiten kann.

Ein sinnvoller Einsatzbereich ist das Warm-up vor einem Rennen. Auch Tadej Pogačar wurde bereits mit einer Kühlweste beim Aufwärmen vor Rennen gesehen. Die Weste hilft dabei, die Körpertemperatur vor dem Start niedrig zu halten, ohne auf das Warm-up verzichten zu müssen.

Während des Rennens selbst ist die klassische Kühlweste dagegen keine praktikable Lösung. Im Profibereich kommen dafür andere Kühlmethoden zum Einsatz. Interessanter ist die Weste deshalb für die Zeit vor dem Start, zwischen Renneinsätzen oder direkt nach dem Rennen.

Besonders spannend ist für uns der Einsatz beim Hometraining auf der Rolle. Gerade an heißen Tagen kann die Weste dort einen deutlichen Unterschied machen. Darüber hinaus ist sie natürlich nicht auf das Fahrrad beschränkt. Auch am Streckenrand, zwischen mehreren Einsätzen oder zur Erholung nach dem Rennen kann sie genutzt werden.

Und wer noch weitere Einsatzmöglichkeiten findet, kann sie natürlich auch abseits des Sports einsetzen. Gartenarbeit, Rasenmähen oder ein Umzug im Sommer sind ebenfalls Situationen, in denen zusätzliche Kühlung durchaus angenehm sein kann.

Kühldauer

Wie lange die Kühlweste kühlt, hängt natürlich von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Nutzung ab. Im Test hat sie sich dabei sehr gut geschlagen.

Für die eingefrorene Weste gibt der Hersteller eine Kühlwirkung von etwa 2 Stunden an. Im Test war auch darüber hinaus noch deutlich Eis in der Weste vorhanden und damit weiterhin eine entsprechende Kühlwirkung gegeben.

Bei der reinen Verdunstungskühlung nennt der Hersteller eine Nutzungsdauer von bis zu 72 Stunden. Auch diese Angabe ließ sich im Test nachvollziehen. Selbst nach einer intensiven Nutzung war am nächsten Tag noch ausreichend Feuchtigkeit im Hydrogel vorhanden, sodass die Weste weiterhin einen spürbaren Kühleffekt erzeugte.

Für das Training zu Hause auf der Rolle oder das Warm-up vor einem Rennen sind die angegebenen Zeiten damit mehr als ausreichend. Gerade bei der Wasseraktivierung ist außerdem praktisch, dass die Kühlwirkung durch erneutes Befeuchten jederzeit verlängert werden kann.

Wie Funktioniert das?

Kühlung durch Verdunstung

Das Hydrogel in der Kühlweste nimmt Wasser auf und gibt es anschließend langsam wieder ab. Die Feuchtigkeit verdunstet an der Oberfläche und entzieht dabei der Umgebung Wärme. Dadurch entsteht die eigentliche Kühlwirkung. Das Prinzip kennt man zum Beispiel von nasser Kleidung im Fahrtwind – nur hält die Weste die Feuchtigkeit deutlich länger.

Kühlung durch Eis

Für eine stärkere Kühlung kann die Weste zusätzlich eingefroren werden. Das im Hydrogel gespeicherte Wasser wird dabei zu Eis. Beim Auftauen nimmt das Eis Wärme aus der Umgebung auf und sorgt so für eine deutlich stärkere Kühlung als bei der reinen Verdunstung.

Gewicht

Trocken und aktiviert macht die Weste beim Gewicht einen deutlichen Unterschied. Das Hydrogel nimmt eine große Menge Wasser auf, wodurch das Gewicht je nach Wasseraufnahme entsprechend variiert. Eine frisch aktivierte Weste ist deshalb deutlich schwerer als eine Weste, die bereits längere Zeit getragen wurde und dabei Wasser abgegeben hat.

Das zusätzliche Gewicht war im Test allerdings kein Problem. Weder auf der Rolle noch bei der normalen Nutzung hat es gestört. Ganz ohne Einschränkung ist eine solche Weste trotzdem nicht. Das liegt aber schlicht an der zusätzlichen Schicht am Körper – ähnlich wie bei jeder anderen Jacke oder zusätzlichen Kleidungsschicht.

Die angegebenen Werte machen den Unterschied ganz gut deutlich:

250 g – trocken
2.200 g – aktiviert

Fazit

Schon beim ersten Befüllen mit Wasser macht die Weste deutlich, dass sie nicht einfach nur ein nasses Kleidungsstück ist. Bereits beim Anlegen ist ein spürbarer Kühleffekt vorhanden. Auf der Rolle zeigte sich dann, was die Weste bei hohen Temperaturen leisten kann.

Bei rund 35 °C unter dem Dach kam ein normaler Ventilator irgendwann an seine Grenzen. Es gibt zwar spezielle Ventilatoren, dennoch wird die warme Luft nur bewegt, wirklich kühler wird es dadurch aber nicht. In Kombination mit der Kühlweste war der Unterschied deutlich. Auch nach fast 2 Stunden auf der Rolle fühlte sich die Belastung noch deutlich angenehmer an. Geschwitzt wurde natürlich trotzdem – die Weste verhindert weder Wärmeentwicklung noch Schweiß. Sie sorgt aber dafür, dass die Hitze deutlich erträglicher bleibt.

Der sinnvollste Einsatz dürfte für mich deshalb ganz klar auf der Rolle an heißen Tagen sein. Gerade bei längeren Einheiten oder intensiven Intervallen kann die zusätzliche Kühlung einen deutlichen Unterschied machen.

Interessant ist die Weste aber auch für den Einsatz bei Rennen. Bei Veranstaltungen wie Rad am Ring, bei denen sich Fahrer in einem Team abwechseln, könnte sie beispielsweise zwischen den Einsätzen zur Abkühlung genutzt werden. Auch vor Rennen kann eine Kühlweste sinnvoll sein, wenn bereits beim Warmfahren viel Wärme entsteht. Bei normalen Jedermannrennen ist das etwas schwieriger, da kurz vor dem Start natürlich noch eine Möglichkeit gefunden werden muss, die Weste abzulegen.

Ein Punkt bleibt dabei offen: Wie sinnvoll ist zusätzliche Kühlung während des Trainings, wenn gleichzeitig gezielt Hitzetraining betrieben werden soll? Das ist allerdings ein eigenes Thema und würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Fest steht, dass Hitze die Belastung beim Training deutlich erhöht und Kühlstrategien eingesetzt werden können, um diese thermische Belastung zu reduzieren.

Unterm Strich ist die Kühlweste kein Produkt, das man zwingend braucht. Wer aber regelmäßig bei hohen Temperaturen trainiert oder bei Rennen mit Hitze zu kämpfen hat, bekommt damit ein einfaches und vergleichsweise günstiges Werkzeug zur zusätzlichen Kühlung.

Dass Kühlwesten im Profisport längst eingesetzt werden, kommt dabei nicht von ungefähr. IZI selbst nennt unter anderem das niederländische Olympiateam und zahlreiche UCI-ProTour-Teams als Nutzer der Hydrogel-Kühlbekleidung. Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kühlung vor oder während Belastungen in der Hitze die thermische Belastung und das subjektive Hitzeempfinden reduzieren und unter bestimmten Bedingungen auch die Leistung verbessern kann.

Für die Rolle bei 35 °C hat die Weste den Praxistest jedenfalls bestanden. Der Unterschied zum Training ohne zusätzliche Kühlung war deutlich spürbar – und genau dafür würde sie bei mir auch regelmäßig zum Einsatz kommen.

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