Shimano kehrt der Eurobike 2026 den Rücken und damit auch der deutsche Distributor Paul Lange. Die Entscheidung des Komponentenriesen verstärkt die Krise der Leitmesse.
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Shimano sagt Teilnahme an der Eurobike 2026 ab
In einer Pressemitteilung begründet Shimano diesen Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung: Künftig wolle man verstärkt auf kunden- und verbraucherorientierte Veranstaltungsformate setzen, die den direkten Austausch mit Partnern, Händlern und Endkunden ermöglichen. Das bedeutet, es geht nicht nur um eine einmalige Pause von der Eurobike.
Unser Ziel ist es, mit Fahrern und Partnern auf eine persönliche, sinnvolle und für die Entwicklung der Branche relevante Weise in Kontakt zu treten.
David Greenfield, Marketingdirektor von Shimano Europe.
Der stetige Rückzug von namhaften Herstellern, vor allem Radmarken, kratzt nicht nur am Image der Messe an sich, sondern auch an dem, der verbliebenen Aussteller.

Namhafte Marken sind rar, ebenso wie wichtige Besuchergruppen
Der Rückzug von Shimano ist ein weiterer schwerer Schlag für die Eurobike, die in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche prominente Aussteller verloren hat. Branchengrößen wie Bosch, Riese & Müller, DT Swiss, Merida, Sram, Trek und sogar die ZEG fehlten. Die Eurobike gibt sich nach außen dennoch weiter positiv, Außenstehende haben eher die Wahrnehmung einer absoluten Lernresistenz.
Wir konnten nicht erkennen, dass beide Gesellschafter mit derselben Konsequenz Maßnahmen unterstützen, die nötig wären, um die Messe zukunftsfähig für die Fahrradbranche aufzustellen.
Bernhard Lange, Geschäftsführer von Paul Lange & Co. und ZIV-Präsidiumsmitglied (Link)
Die Branchenverbände ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) und Zukunft Fahrrad hatten sich bereits im Oktober 2025 von der Eurobike beendet und einen 10-Punkte-Plan (Link) für eine Neuausrichtung der Leitmesse vorgelegt. Kritikpunkte waren die fehlende konsequente Umsetzung notwendiger struktureller und inhaltlicher Anpassungen, insbesondere im Hinblick auf die Preisgestaltung, die Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Branche und Besucher.

Die Absage von Shimano bedeutet viel mehr
Paul Lange ist nicht nur traditionsreiche deutsche Generalvertreter von Shimano und. Er wird 2026 mit keiner seiner Marken auf der Eurobike vertreten sein. Dies bestätigte das Unternehmen nach der Veröffentlichung der gemeinsamen Pressemitteilung von ZIV und Zukunft Fahrrad. In einer Stellungnahme betonte Geschäftsführer Bernhard Lange, dass die Entscheidung der Verbände und die vorausgegangenen Gespräche mit den Messeveranstaltern in die eigene Planung für 2026 einfließen würden.
Nach eingehender Prüfung steht nun fest: Paul Lange & Co. sowie die von ihm vertretenen Marken Lazer, PRO, Schwalbe, Vittoria und Elite werden der Eurobike 2026 ebenfalls fernbleiben. Diese Entscheidung ist eng mit der Positionierung des Unternehmens innerhalb der Branche und der Rolle von Bernhard Lange als ZIV-Präsidiumsmitglied verknüpft. Lange sieht sich als verlässlicher Partner des Fachhandels und der gesamten deutschen Fahrradindustrie und folgt damit dem Kurs der wichtigsten Branchenverbände.

Ist die Eurobike noch zu retten?
Der Ausstieg von Shimano und Paul Lange & Co. aus der Eurobike 2026 markiert einen Wendepunkt für die Fahrradbranche. Die Gründe liegen in einer Mischung aus steigenden Kosten, veränderten Kommunikationswegen und vermutlich hauptsächlich Unzufriedenheit mit dem Messekonzept. Absagen und die Rolle der Branchenverbände unterstreichen, dass es sich um einen strukturellen Wandel handelt.
Für 2026 haben wir uns bewusst für ein eigenes Format an unserem Standort entschieden.
Dr. Sandra Wolf, geschäftsführende Gesellschafterin, Riese & Müller (Link)
Die Eurobike steht schon viele Jahre vor der Herausforderung, sich neu zu erfinden und den veränderten Anforderungen der Branche gerecht zu werden. Ob dies durch eine Anpassung des Messeformats wird die Zukunft zeigen, wenn es wirklich Ideen gäbe. Klar ist: Die Fahrradbranche sucht nach neuen Wegen für Austausch und Markenpräsenz und das unbedingte Festhalten an Händlermessen ist sicher mehr als ein Sargnagel.
Der neue Mann für die Eurobike
Am 29. verkündete die Eurobike im Newsletter den Wechsel am Schreibtisch des Geschäftsführers. Mit der Absage des japanischen Komponentenriesen Shimano am 30. Januar hätte der neue Mann an der Spitze der Eurobike wohl ein Bild ausgewählt, worauf der nicht so strahlend lächelt. Das der Link „zur Pressemitteilung“ ins Leere führt, ist hoffentlich nur Zufall.


