Tailfin Cargopack

Tailfin CargoPack – Test des Bikepacking Tausendsassas

Schon lange fahren die Gewinner von Gravelevents und selfsupported Langdistanzrennen das Gepäcksystem von Tailfin. Trotz des stolzen Preises sieht man es immer häufiger bei Bikepackern. Was hat es damit auf sich? Wir zeigen es euch am Beispiel des CargoPacks, das wir bei 2 Gravelrennen im Einsatz hatten. Und am Ende gibt es noch eine Kaufempfehlung.

Lieferung und Unboxing

Die Bezugsquelle ist der Onlinestore Tailfin.cc Man kann deren Sachen auch nur dort kaufen. Die Firma hat ihren Sitz in England, aber sie haben in den Niederlanden ein Warehouse, sodass die Lieferung gerade mal 5 Tage dauert.

Man stellt sich das System aus einer Reihe von Optionen auf der Homepage zusammen. So kann man den Bogen des Tripods in Alu oder in Carbon ordern. Oder die Ausführung der CargoPack Tasche als Fixed oder Removable System wählen. Außerdem gibt es bei Tailfin eine Reihe verschiedener Achsensysteme und sogar einen Adapter, um die Achse mit Srams UDH-System nutzen zu können.

Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite an Zubehörteilen. Ich entscheide mich für die kleine Halterung, an der ein Rücklicht angebracht werden kann.

Die Teile kommen in schönen Pappkartons, schon das Unboxing wird zu einem kleinen Highlight. In den Pappboxen sind alle Aluteile in eigenen Schutztüten verpackt, sodass es keine Kratzer an den schwarz eloxierten Teilen gibt.

Die Aluteile sind alle präzise gefräßt, keine scharfen Kanten und sehen absolut wertig aus. Jede einzelne Schraube hat einen Tropfen blauen Schraubensicherungslacks auf dem Gewinde. Bei Tailfin überlässt man nichts dem Zufall.

Aufbau des Tailfin CargoPacks – ein flexibles System

Entsprechend der Wertigkeit der Teile ist es auch eine Freude, das System zusammenzubauen. Alle Montageschrauben sind als Torx ausgeführt (bis auf die kleinsten haben sie alle das Maß T25) und ein gewinkelter Torxschlüssel liegt bei. Die Verschraubungen für Anbauteile am Gepäckträger wiederum sind 3mm Inbus – um es dem Radreisenden auf seinem Roadtrip leicht zu machen.

Ich habe die CargoPack in zwei Versionen vorliegen: im Fixed System ist die Tasche fest mit den restlichen Teilen verschraubt und bildet den Querträger. Die Tasche ist dafür stabil genug, denn in ihrem Boden ist ein Alugestell integriert. Wenn ich die Tasche abnehmen möchte, muss ich das gesamte System vom Rad entfernen. Was ca. 10 Sekunden dauert.

Im Removable System kann die Tasche vom Rad genommen werden, ohne den Gepäckträger zu entfernen, der dann am Rad zurückbleibt. Das Entfernen der Tasche geht dann noch schneller, quasi mit einem einzigen Handgriff. Aber schnell sind beide Varianten vom Rad entfernt.

Außerdem hab ich die Version des Trägers mit Panniermounts (Taschenmontagen) genommen. An diesen kleinen Querhülsen lassen sich Seitentaschen von Tailfin anbringen, auch hier haben die Engläner vier verschiedene Größen im Programm.

Aber an den Panniermounts lassen sich auch zusätzliche Extensions für Taschen von Drittanbietern befestigen.

Tailfin CargoPack

An diesen kann man dann wiederum Taschen von z.B. Ortlieb oder Vaude befestigen. Und zwar alle möglichen: von den kleineren Bikepacking Taschen mit 12,5 Litern bis hin zu den großen Backrollern mit 25 Liter Fassungsvermögen. Und wer das alles nicht braucht, hat 3-4 seitliche Schraubösen am Gepäckträger, um Befestigungssysteme von weiteren Drittanbietern (z.B. Salsa, Topeak, Ortlieb) oder Flaschenhalter anzubringen. Das System ist wirklich vielseitig.

Die Befestigung des Systems am Rad erfolgt über eine Schnalle am Sattelrohr und zwei Klemmen an der massiven Achse von Tailfin. Die Achse von Tailfin ersetzt die bisherige am Rad. Dafür hat Tailfin eine ganze Reihe von unterschiedlichen Achsen im Programm bis hin zu einer Universal Thru Axle, die man selbst konfigurieren kann und die also in wirklich jedes Rad hineinpasst.

Tailfin CargoPack

Wer sich unsicher ist, welche Achse mit welchem Pitch (Steigung des Gewindes) braucht, kann einfach seine originale Achse ausbauen und darauf ablesen. In der Regel ist es aufgedruckt: M12 x 1,5 (also Durchmesser x Pitch).

Tailfin legt überdies eine sehr gut bebilderte Aufbauanleitung (auf der einen Seite für Fixed, auf der anderen für das Removable System) bei. Wer dann noch immer unsicher ist, kann sich die Youtube-Tutorials auf deren Website anschauen.

Tailfin CargoPack

Erster Fahreindruck

Also der erste Aha-Moment am Rad ist dieser: da wackelt absolut gar nichts. Klar spürt man, dass da ein Gewicht ist, aber im Vergleich zur Satteltasche (die sogenannte „Arschrakete“) wird das Tailfinsystem nie hin- und herschwingen. Und es wird auch immer seine Form halten: nicht abknicken, nicht am Rad schleifen. Einfach wie ein Gepächträger fest an seiner Stelle bleiben.

Selbst wenn man seitlich Taschen ranmacht und diese stark belädt wird das nichts an der Festigkeit des Systems ändern. Ich hatte sogar die großen Ortliebtaschen links und rechts randvoll mit Sachen vom Einkauf, zusammen an die 30 kg. Das Tailfin-System nimmt diese Last ohne Probleme auf. Es ist durch die Konstruktion mit der Starrachse überwältigend stabil. Freigegeben ist es offiziell bis 27 kg Zuladung.

Ortlieb hat mittlerweile auch ein Gepäckträger, der an der Achse befestigt wird. Hier wird aber nur mit aufgeschraubten Endstücken gearbeitet. Diesen würde ich nicht das Gewicht zutrauen, die die Tailfin-Achse zu tragen vermag.

Hat das eigene Fahrrad eine Schnellspannachse, gibt es auch eine solche im Programm bei Tailfin. Und falls eine nicht wechselbare Achse verbaut ist (z.b. bei einer Nabenschaltung), gibt es von Tailfin kleine Befestigungsstangen, die in Schraubösen an Hinterbau (wie die für´s Schutzblech) montiert werden können. Allerdings weiß ich, dass diese Schraubösen nicht in der Lage sind, allzuviel Gewicht zu halten. Bei Carbonrahmen brechen die verklebten Gewindeösen sogar heraus, denn für größere Gewichte als Schutzbleche sind sie nicht konzipiert.

Warum nun die verschiedenen Systeme: Fixed, Removable und Extensions? Es kommt auf den Einsatzzweck an. Bei meinem letzten Gravelrennen, der Bremen555, setzte ich auf die Fixed Version. Diese ist ein klein bisschen leichter (10g) als die Removable und ich musste die CargoPack nicht ständig abnehmen. Das war also mein Racesetup.

Als ich ein paar Wochen zuvor die Shelter Attack Tour in Dänemark mehr als Urlaubsreise denn als Rennen fuhr, wählte ich das Removable Setup, da ich abends immer die Tasche abnahm, um daraus am Tisch sitzend meine Kochuntensilien zu holen und sie nachts wegen der Feuchtigkeit mit ins Shelter zu nehmen. Bei dieser eher gemütlichen Tour störte mich das bisschen Zusatzgewicht nicht.

Und wenn ich längere Bikepacking Reisen mache, nutze ich neben dem Removable Setup auch noch die Pannierracks – entweder für die kleinen Tailfintaschen oder mit den Extensions für größere Ortliebs.

Den Gepäckträger ohne der CargoPack, aber mit den Extensions nutze ich für meine Tasche zur Arbeit oder für große Einkäufe mit den Ortlieb-Taschen.

Vaude Aqua Transformer

Die CargoPack

Die neue Tasche hat die bisherige AeroPack abgelöst. Sie fasst 18 Liter. Besonders gut gefällt mir, dass sie seitliche Staufächer und einen mittigen, verstellbaren Spannriemen hat. Das macht die Tasche sehr flexibel, wenn unterwegs mal auf die Schnelle etwas verstaut werden muss oder man nasse Sachen zum Trocknen außen an der Tasche befestigen möchte.

Der größte Vorteil dieser Tasche gegenüber einer Arschrakte ist jedoch, dass sie wie eine Ortlieb Backroller funktioniert: die breite Öffnung macht es möglich, Sachen schnell zu finden.

Bei den Satteltaschen ist der gesuchte Gegenstand meist ganz unten in der Tasche und sie muss durch das Öffnen in der Regel wieder komplett festgezurrt werden.

Dei Tailfin CargoPack fasst 18 Liter. Sie ist damit die größere der beiden aktuellen Tailfin-Gepäckträgertaschen. Wer wirklich nur sehr wenig mitnimmt, ist mit der 10 Liter SpeedPack von Tailfin besser beraten. Die CargoPack mit ihrem Rollverschluss-System hat ein Luftventil, um das Verschließen der Tasche möglichst einfach zu machen.

An der CargoPack lassen sich noch etliche Teile aus dem Zubehörprogramm von Tailfin installieren. Wie die eingangs erwähnte Halterung für eine Rückleuchte.

Ich bin die Tailfin CargoPack auf bei einem ordentlichen Regenschauer gefahren. Ich war nass bis auf die Haut, aber die Sachen in der CargoPack blieben trocken.

Der Preis – genauso flexibel wie das System

Die Tasche mit dem Gepäckträgersystem kostet im einfachsten Setup 385 EUR. Dafür erhält man sie mit Befestigungsschrauben für die Gewindeösen am Rahmen. Wer die Variante mit Starrachse haben möchte, legt 25 EUR drauf, die Panniermounts kosten zusätzlich 35 EUR, die Removable Variante ist 20 EUR teurer als die Fixed Variante. Soll der Träger aus Carbon sein? Dann sind weitere 100 EUR Aufpreis für die Fixed Ausführung fällig und bei der Removable sogar 230 EUR. Der Seatpost Mimik Light Mount für das Rücklicht kostet 20 EUR, die Third-Party Pannier Adaptors für die Ortlieb-Taschen 45 EUR.

Fazit

Der Tailfin-Gepäckträger hat einen stolzen Preis. Dafür bekommt man ein unglaublich vielseitiges System, das für alle Möglichkeiten des Gepäcktransportierens geeignet ist. Ein echter Tausendsassa. Ein super durchdachtes Design und eine enorm hohe Qualität. Man wird im Grunde nie wieder ein anderes System brauchen oder haben wollen. Man sagt, Qualität hat seinen Preis und in dieser Hinsicht liefert Tailfin voll ab. Dass es so gut ist, hat sich in Bikepackingkreisen auch schon längst rumgesprochen. War es vor ein paar Jahren noch sehr selten anzutreffen, hab ich es neulich auf der Bremen555 bestimmt an 3 von 10 Rädern gesehen. Ich hab damit jetzt 2 Gravel-Landistanz-Rennen gefahren und die Tailfin CargoPack zeigt keinerlei Ermüdungsanzeichen.

Setup- und Kaufempfehlung für die CargoPack

Auf der Seite von Tailfin wird man sehr gut durch die ganzen Optionen bei der Konfiguration geführt. Dennoch kann es einen verunsichern, was nun das Richtige sei, gerade bei dem hohen Preis des Systems.

Hier mein Kauftipp: Wer wie ich das System maximal flexibel einsetzen möchte und dem das letzte Gramm nicht ganz wichtig ist, dem sei zur Removable Aluvariante mit den Panniermounts geraten. Diese ausbaubare Basis kostet 465 EUR und man hat alle Möglichkeiten, das System später mit Zusatzprodukten upzugraden. Und wer die absolute Flexibilität haben möchte, lege noch 15 EUR drauf und wählt die Universal Thru Axle, die in jedem Rahmen mit Starrachse passen wird.

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