Die Anforderungen an moderne Sportbrillen im Radsport sind durch die Zunahme von Gravel massiv gestiegen. Wer im ständigen Wechsel zwischen hellem, offenem Gelände und schattigen Waldpassagen unterwegs ist, stößt mit klassischen getönten Scheiben oder herkömmlichen selbsttönenden Systemen schnell an Grenzen.
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Sportbrille Radbrille mit photochromatischer Tönung in Echtzeit
Out of setzt mit der neuen Out Of Bot 3 auf eine vollständig elektronische Lösung, die das Segment für eine photochromatische Radbrille technologisch wieder neu definieren soll. Ohne träge chemische Reaktionen und ohne die Abhängigkeit von Akkus verspricht das System eine Tönungsanpassung in Sekundenbruchteilen. Im Redaktionsalltag von bergauf.cc musste das High-End-Modell zeigen, ob die mathematische Präzision der Sensorik den extrem hohen Anschaffungspreis in der Praxis rechtfertigen kann.

Innovative Flüssigkristall-Technologie revolutioniert die Arbeitsweise selbsttönender Scheiben
Um die Funktionsweise der Out Of Bot 3 zu verstehen, ist ein Blick auf die zugrundeliegende IRID-Technologie der dritten Generation erforderlich. Klassische selbsttönende Brillen basieren auf einer chemischen Reaktion von Molekülen auf der Glasoberfläche, die durch ultraviolette Strahlung, also UV-Licht, aktiviert wird. Dieser Prozess leidet unter zwei gravierenden konstruktionsbedingten Nachteilen: Er benötigt oft zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten für eine vollständige Anpassung, und er ist stark temperaturabhängig. Je kälter es ist, desto träger reagiert die Chemie.
Von dunkel zu hell in weniger als 1 Sekunde
Die Out Of Bot 3 nutzt stattdessen ein vollelektronisches Prinzip. In den Rahmen der Brille ist eine hochentwickelte, gekrümmte Photovoltaikzelle integriert. Diese Solarzelle dient nicht nur als Sensor zur Messung des Umgebungslichts, sondern generiert gleichzeitig die benötigte elektrische Energie, um einen mikroelektronischen Schaltkreis anzusteuern. Das Glas selbst besteht aus einer flüssigkristallinen Schicht, Liquid Crystal Display. Sobald der Sensor eine Veränderung der Lichtintensität registriert, verändert der integrierte Chip die elektrische Spannung an den Flüssigkristallen. Durch die veränderte Ausrichtung der Kristalle wird das Licht stufenlos blockiert oder durchgelassen.

Da das System seine Energie direkt aus dem Umgebungslicht bezieht, kommt die Brille komplett ohne interne Batterien, Ladebuchsen oder Knöpfe aus. Der gesamte Anpassungsprozess von Filterkategorie S1 (Lichtdurchlässigkeit ca. 60 %) bis zu Kategorie S3 (Lichtdurchlässigkeit ca. 6 %) vollzieht sich laut Out Of in exakt 0,09 Sekunden. Damit reagiert die Brille schneller, als das menschliche Auge adaptieren kann. Ein weiterer Vorteil dieser Sensorsteuerung liegt darin, dass das System auf das gesamte sichtbare Lichtspektrum reagiert und nicht rein auf UV-Strahlung angewiesen ist. Dadurch funktioniert die Tönung auch in Fahrzeugen hinter einer schützenden Windschutzscheibe fehlerfrei.
Modelle und ergonomisch optimale Passform
Out of Bot 3 hat verschiedenen Hardware-Ausführungen, um unterschiedlichen Gesichtsergonomien und Einsatzbereichen gerecht zu werden. Die wesentliche Differenzierung erfolgt über die Rahmengrößen und die Bügelkonstruktion.

Erhältlich sind die Out of Bot 3 in den Varianten Hybrid M und Hybrid L. Während das M-Modell für schmalere Gesichtsformen passend ist, Abmessungen circa 146 x 172 Millimetern, geht das L-Modell an Fahrer mit breiterem Kopf, Abmessungen circa 154 x 184 Millimeter. Zudem sind die Brillen mit den sogenannten Adapta-Bügeln ausgestattet. Diese bestehen in einem Verbund aus Grilamid und Carbonfasern, besitzen jedoch voll flexible, gummierte Silikon-Bügelenden. Sportler können die Bügel manuell biegen, um Druckstellen hinter den Ohren zu vermeiden und den Halt bei starker Schweißbildung zu maximieren.


Zusätzlich unterscheidet Out Of zwischen den Standard-IRID-Gläsern und den extremen IRID X-10 Varianten. Die X-10 Modelle decken ein noch breiteres Spektrum ab und erlauben eine Abdunklung bis in den Bereich der Kategorie S4, was primär für den extremen alpinen Einsatz oder Gletschertouren relevant ist, im klassischen Radsportbereich jedoch selten benötigt wird. Für Brillenträger bietet der Hersteller zudem optionale optische Inserts an, die sich hinter der Hauptscheibe fixieren lassen.





Evolution im direkten Vergleich zum Vorgängermodell Bot 2
Die Weiterentwicklung vom Vorgänger Bot 2 zur aktuellen Generation 3 umfasst wesentliche Optimierungen im Bereich der Aerodynamik, des Sichtfelds und der Sensor-Sensibilität. Das Vorgängermodell Bot 2 war ein Meilenstein, besaß jedoch im Alltag kleine funktionale Schwachstellen, die durch Kunden- und Medien-Feedback korrigiert wurden.
Ein zentraler Unterschied liegt in der physischen Dimensionierung des Glases. Das Panel der Out Of Bot 3 wurde signifikant schmaler und breiter. Wo beim Vorgänger Bot 2 war ein ziemlicher fetter Block am oberen Rahmen, was semihübsch aussah.



Der zweite gravierende Unterschied betrifft die Konstruktion der Solarzelle. Beim Vorgängermodell war die Photovoltaik-Einheit als klar abgegrenzter, gerader Block oberhalb des Sichtfelds platziert. Bei Feuchtigkeit oder Regenfahrten führte dies dazu, dass sich Wassertropfen in der Kante zwischen Glas und Solarzelle festsetzen konnten, was die Lichtmessung punktuell beeinträchtigte. Bei der Out Of Bot 3 ist die Solarzelle dreidimensional gekrümmt und nahtlos in die Rahmenstruktur integriert. Wasser fließt dadurch aerodynamisch ab.


Zudem wurde der integrierte Steuerchip neu programmiert. Die Übergänge zwischen den einzelnen Tönungsstufen verlaufen bei der Generation 3 stufenlos und mit unlimitierten Zwischengradationen. Während die Bot 2 in manchen Extremsituationen sprunghaft wirkte, reguliert das neue System die Lichtdurchlässigkeit so geschmeidig, dass das Auge den Wechsel im Fahrbetrieb überhaupt nicht mehr aktiv registriert.
Vergleich Out Of und React
Der Vergleich zeigt deutlich den Vorsprung der beiden elektronischen Systeme von Out Of und React in Bezug auf die Reaktionszeit, während Oakley und Rudy auch nicht mehr beim Gewicht merklich punkten.

| Produkt | Technologie | Tönungsbereich (Kategorie) | Reaktionszeit | Gewicht | UVP (Euro) |
| Out Of Bot 3 | Elektronisch | S1 bis S3 | 0,09 Sekunden | 34,6 Gramm | 349,00 |
| React Rev | Elektronisch | S2 bis S4 | 0,10 Sekunden | 36,0 Gramm | 299,00 |
| Rudy Kelion | Photochromatisch | S1 bis S3 | 10 bis 30 Sekunden | 36,0 Gramm | 269,90 |
| Oakley Sutro Photochromic | Photochromatisch | S0 bis S3 | 15 bis 120 Sekunden | 32,0 Gramm | 208,00 |
Argument für den Preis der Out Of Bot 3
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 349,00 Euro positioniert sich die Out Of Bot 3 an der absoluten Spitze des Marktes für funktionale Sportbrillen. Bei so einem Preis muss man schon mal darüber nachdenken.
Die Materialauswahl rechtfertigt den Preis zum Teil durch den Verzicht auf simplen Spritzguss-Kunststoff. Der Rahmen besteht aus einem extrem widerstandsfähigen, matten Grilamid-Verbund, der mit echten Carbonfasern verstärkt ist. Dies sorgt für eine enorme Torsionssteifigkeit bei gleichzeitig hoher Flexibilität im Falle eines Sturzes. Die Brille ist laut Hersteller komplett wasserdicht nach IPX7 zertifiziert, was bedeutet, dass die empfindliche Steuerelektronik und die Flüssigkristalle auch bei massivem Starkregen oder der Reinigung unter fließendem Wasser keinen Schaden nehmen. Die mechanische Verarbeitung der Scharniere und der Adapta-Bügel wirkt extrem solide und langlebig.

Das primäre Argument für diesen hohen Preis liegt jedoch in der Exklusivität der Elektronik. Out Of entwickelt und fertigt die Brillen komplett in Italien. Die präzise Applikation der Flüssigkristallschicht ohne optische Verzerrungen setzt minimale Fertigungstoleranzen voraus.
Wer bereit ist, 349,00 Euro zu investieren, bezahlt nicht für reines Markenprestige, sondern für ein Alleinstellungsmerkmal: Kein Blindflug beim Einfahren in einen Tunnel, keine Verzögerung bei hellen und dunklen Passagen im Wald und kein wechseln der Brillengläser beim Wandern. Außerdem passt die Brille auch hervorragend beim Autofahren. Die neue Out Of Bot 3 gibt es im Out-Of-Webshop (Link) in fünf Farben und zwei Größen.

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