Im Rennradbereich werden die Reifen stetig breiter. Das sorgt für Fahrkomfort ohne Einbußen im Rollwiderstand. Aber wo ist die Grenze? Wir testen einen Pirelli P-Zero im Maß 700×35. Und wollen herausfinden, wie sich Pirelli gegen den allgegenwärtigen Conti 5000 schlägt.
Inhalt
Pirelli P-Zero Race – Rollwiderstand
Um den Rollwiderstand des Reifens zu prüfen, surfe ich zunächst bei Rolling Resitance vorbei (Link). Dort suche ich den P-Zero TLR RS in der Kategrie „Road Bike“ vergeblich. Aber unter „CX/Gravel“ wird er gelistet. Und er steht dort mit 13,6 Watt Rollwiederstand auf Platz 5 (von 154).

Sein dünnerer Bruder mit Maß 700×32 ist sogar auf Paltz 2 in der Rangliste. Aber mir ging es bei diesem Test darum herauszufinden, wie sich ein 35mm Reifen im einem Rennrad/schnellem Gravelbike fährt.
Unboxing und Specs des Pirelli P-Zero Race
Bei Rolling Restistance unter Gravel zu finden, listet Pirelli ihn unter Road (Link zu Pirelli). Das erkennt man auch am Namen: P-Zero steht bei Pirelli für die Straße, Cinturata für Gravel u.s.w. Ihre Modellpalette beim P-Zero ist recht groß. Ich wollte gerne das breiteste Modell 35mm) mit dem besten Rollwiderstand. Daher wurde es also der besagte Pirelli P-Zero Race TRL RS Speedcore.
Es gibt den Reifen in nicht weniger als 14 verschiedenen Kombinationen, die sich in der Breite und dem Aufdruck bzw. Farbe der Seitenwand unterscheiden. Die pirelli-Site zum P-Zero Race bietet eine gute Übersicht. Allen gemeinsam ist die Karkasse mit 120 TPI (Threads Per Inch – sozusagen die „Webdichte“) und in meinem Fall wiegt der 35er 370 g laut hersteller, aber meine Waage zeigt jeweils 408 und 412 g an. Bei Rolling Resistance zeigte die Waage 392 g. Womit diese Schwankungen etwas zu tun haben, ist für mich schwer zusagen, aber Pirellis Waagen scheinen ein bisschen opportun zu sein.

Die Innenseite der Verpackung enthält Montagetipps für Tubeless und eine grobe Richtwertskala für den Reifendruck. Das ist für den Einstieg nicht verkehrt.

Ich bevorzuge den Zipp Pressure Guide, aber auf der Seite von Pirelli ist ebenfalls ein Pressure Guide verfügbar, der mich nach diversen Parametern fragt. Dort bekomme ich am Ende 3 Druckempfehlungen von 2,7 bar, 3,2 bis 3,5 je nachdem, auf welchem Untergrund ich unterwegs bin.

Montage
Den 35er Pirelli P-Zero Race kommt bei mir auf einen Zipp 303S Laufradsatz. Da dieser hookless ist, bin ich bei dem niedrigen Druck von 3,2 bar zuversichtlich, dass nichts Schlimmes (Link zu BikeRadar) passieren wird.

Die Montage gestaltet sich angenehm leicht. Ich kann den Reifen ohne Zuhilfenahme von Werkzeug auf die Felge hebeln. Ich installiere den Reifen tubeless, also mit 60ml Dichtmilch und lasse dafür den Schlauch weg. Der Zusatz TLR beim Reifenmodell steht für „tubeless ready“, was den Reifen für diese Art der Montage als geeignet erklärt.

Anschließend kann ich den Reifen einfach mit meiner Luftpumpe ins Felgebett bringen, auch hier ganz ohne weitere Hilfsmittel wie einem Kompressor oder Drucktank. Ich muss noch nicht mal den Ventilkern für mehr Luftdurchfluss entfernen.

Dass Reifen so geschmeidig auf die Felge gehen hat Seltenheitswert. Ich hab noch nicht mal Gleitpaste benutzen müssen. Bei knapp unter 4 bar springt der Reifen komplett ins Felgenbett. Danach stelle ich den gewünschten Druck ein.

An die Montage schließt sich die spannende Frage an, wie breit der 35er Reifen aufbaut. Hier werde ich etwas ernüchtert, denn er misst im aufgepumpten Zustand nur 33,6 mm. Das mag jedoch an der Felge liegen, die ein für heutige Verhältnisse recht überschaubares Innenmaß (Maulweite) von 23 mm hat.

Auch Tage später hält der Reifen noch immer den Druck. Kein Entweichen von Luft. Keine austretende Dichtmilch. So wünscht man sich das, bravo Pirelli.
Preis-Leistung
Für den Pirelli P-Zero Race werden im UVP ca. 92 EUR aufgerufen. Das ist im Jahr 2026 ein leider recht üblich gewordener Preis für neu herausgebrachte Reifen. Der Onlinepreis bewegt sich zum Zeitpunkt dieses Artikels bei ca. 65 EUR. Für das Geld bekomme ich jedoch einen Reifen, der einen vergleichsweise niedrigen Rollwiderstand in seiner Klasse hat (Platz 5 von 154). Pirelli-Reifen sagt man in der Rennrad-Szene nach, dass sie einen sehr guten Grip bei Nässe haben. Der Score von 84 in der Vergleichstabelle von Rolling Resitance scheint das zu bestätigen und im Puncture Protect hat der P-Zero Race 700×35 ebenfalls einen hohen Score im Vergleich zur Konkurrenz. Zum Premium Preis werden hier also durchaus Premium Eigenschaften geliefert.

Praxis und Fahrverhalten
Der 35er Reifen wird nicht in jedes Rennrad passen. Moderne Rennradrahmen sind heute oft auf 32 mm limitiert, die wenigstens können mehr. Also ist dieser Reifen eher etwas für die modernen und populärer werdenden Allroad-Rahmen oder eben für Gravelbikes wie in meinem Fall.

Beim Rennrad zählen heute Wattwerte bzw. deren Ersparnis in jeder Hinsicht. So gibt es vor allem für das Maß des Vorderreifens die Zauberformel von 1,05, was soviel bedeutet, dass die Außenbreite Felge das 1,05-fache des aufgepumpten Reifens sein sollte. Ein Reifen mit 35mm wird diese Regel nie erfüllen können, da es entsprechende breite Felgen nicht gibt (abgesehen vom Gravelbereich).

Das ist für das Rennrad gesehen ein erster Minuspunkt für den Reifen. Ein weiterer Minuspunkt kommt mit dem Gewicht. 408 g ist viel. Zum Vergleich: der sehr beliebte Continental GP 5000 S TR wiegt in 30er Breite 100 g weniger, als Archetype (unser Testbericht) sogar 140 g weniger. Reifen und Felge gehören zu rotierenden Masse – je schwerer die Kombi, desto weniger explosiv gibt sich das Rad beim Beschleunigen.
Dafür gibt es einen immensen Zugewinn im Fahrkomfort und Kurvensicherheit. Ich fahre den Pirelli P-Zero Race TLR SR vorne mit 3,0 und hinten mit 3,2 bar. Als Slickreifen rollt er sehr gut. In Kurven bietet er durch die größere Aufstandfläche viel Sicherheit.

Und den größten Unterschied macht er bei unebener Fahrbahn, die man eigentlich immer auf einem Ride vorfindet: Risse/Dellen im Asphalt, Bordsteinkanten, Kopfsteinplaster etc. Hier spielt der 35mm-Pirelli seine wahre Stärke aus: er ist einfach unfassbar komfortabel für einen schnellen Reifen.
Pannensicherheit – die ist oft schwer zu beurteilen, da Pannen auch etwas mit Schiksal zu tun haben. Aber zum Zeitpunkt des Berichts bin ich den Reifen 1.500 km gefahren. Rennradtouren, aber auch viel in der Großstadt und über so einige Schotterpisten. Bislang keine einzige Panne.
Fazit – idealer Pendlerreifen oder doch ein Rennradreifen?
Als Rennradreifen hat der Pirelli P-Zero Race TLR SR im Maß 700×35 einen schweren Stand. Zu schwer und zu wenig Aero. In einem Segment, in dem jedes Watt zählt werden seine positiven Eigenschaften diese Downsides nicht aufwiegen. Aber die positiven Seiten des Reifen, nämlich ein für seine Breite sehr gut rollender Reifen mit gutem Pannenschutz und unglaublichem Komfort machen ihn zu meiner ersten Empfehlung im Bereich der Allroad Rennräder oder wenn man so möchte zum idealen Reifen für einen schnelles Pendlerrad. Sofern er Platz findet, kann ich ihn auch in einem Rennrad fahren, aber dann eher für den sonntäglichen Clubride zum Café denn im Kriterium. Oder, wie wir das 2026 im Profi-Peloton gesehen haben: bei extrem unebenen Straßenverhältnissen wie Paris-Roubaix.
Im Straßen-Rennradbereich sind wir noch nicht bei 35 mm angekommen. Jedenfalls nicht im Edge-Bereich des Sports. Das schmälert nicht die hervorragenden Eigenschaften des Pirelli P-Zero Race in 700×35. Sein Einsatzgebiet liegt (vorerst) einfach woanders.
Wie denkst du über (sehr) breite Reifen am Rennrad? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
Willst du mehr über Pirelli lesen? Im Sommer werde ich bei einem Gravelrennen den Cinturata Gravel M in 700×45 testen. Stay tuned.










