Man könnte glauben, es sind Nachrichten aus Absurdistan: Bei den Enhanced Games in Las Vegas sind leistungssteigernden Mitteln (PEDs) nicht nur erlaubt, sondern explizit gefeiert. Dazu auf einer Newsseite der Kommentar: „Quasi wie die Tour de France nur ehrlich“. Das Bild vom chronisch gedopten Radsportler aus den 1990er und 2000er Jahren hält sich bis heute standhaft. Die Realität im modernen Profi-Radsport sieht heute aber völlig anders aus und das lässt sich mit harten Zahlen belegen.
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Das Paradoxon: Wer viel testet, findet viel und wirkt dreckig
Dass Radsport bei den Couchfans der Boomergeneration noch immer als „Doping-Sportart Nummer 1“ gilt, liegt an einem Fehlschluss: Weil viel gedopt wird, wird viel getestet. Der Radsport hat seine Vergangenheit mit Festina, Armstrong, Jan Ulrich, Marco Pantani radikal aufgearbeitet. Die Folge: Nirgendwo wird so verbissen, engmaschig und transparent kontrolliert wie hier.
Wer dopt am meisten?
Schaut man in die offiziellen Berichte der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und sportwissenschaftliche Langzeitzeitanalysen (u. a. veröffentlicht im Journal of Sport and Health Science), relativiert sich das Bild des Radsports gewaltig.
The Sports Examiner schrieb vergangenes Jahr, dass 238.827 Dopingkontrollen im Jahr durchgeführt wurden und davon 1.373 Tests positiv ausgefallen sind. Das sind 0,57 %. Überwiegend waren Anabolika im Spiel und Gewichtheben führte die Liste mit 1.8 % positiven Ergebnissen an. Die meisten Doper kommen nicht aus Russland oder China, sondern Indien führt mit 3,8 % die Rangliste vor den USA und Russland an, danach Frankreich, Italien, Kanada. Deutschland, Großbritannien teilen sich den Rang 4. Japan und China meldet nur 0,2 %, wobei wichtig zu wissen ist, dass die WADA Tests nicht selbst durchführt, sondern das überwiegend in der Hand von nationale Anti-Doping-Organisationen liegt.
Filmtipp 1: Ikarus Der Regisseur Bryan Fogel startete als Selbstversuch zum Thema Doping im Radsport und landet bei Grigori Rodtschenkow, dem damaligen Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors. Rodtschenkow wurde zum Kronzeugen, der den systematischen, staatlich gedeckten Dopingbetrug bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 enthüllte. (Netflix)
Filmtipp 2: Verräter, die Folge vom Fall Russland 2022 (ARD Mediathek)
Wada veröffentlich jährlich die Zahlen (Download Quelle). Eigentlich wird in jeder Sportart gedopt, sogar beim Curling und Billiard. Das hört sich erstmal ziemlich dumm an, aber mit Beta-Blocker wird der Blutdruck gesenkt. Ein niedriger Puls und flachere Atmung verringert Muskelzittern und gibt dem Spieler einen absolut ruhigen Arm.
| Sportart | Getestete Proben (ca.) | Positive Befunde (Absolut) | Trefferquote in % |
| Gewichtheben und Kraftsport | 12.000 | 260 | 2,17 % |
| Ringen | 6.500 | 90 | 1,38 % |
| Leichtathletik | 50.000 | 390 | 0,78 % |
| Radsport | 28.000 | 210 | 0,75 % |
| Eishockey | 6.000 | 35 | 0,58 % |
| Boxen | 5.500 | 30 | 0,55 % |
| Rudern | 8.500 | 40 | 0,47 % |
| Schwimmsport | 16.000 | 65 | 0,41 % |
| Basketball | 7.000 | 25 | 0,36 % |
| Fußball | 42.000 | 130 | 0,31 % |
Fakt ist: In anonymen Dunkelziffer-Studien (UQM-Modelle) gaben in Sportarten wie der Leichtathletik je nach Event zwischen 20 % und 40 % der Athleten an, im vergangenen Jahr gedopt zu haben. Im modernen Profi-Radsport sorgt der Biologische Pass (ABP) dafür, dass Abweichungen der Blutwerte sofort zum Ausschluss führen. Der Sport ist heute sauberer als je zuvor.
Warum die Enhanced Games das Gegenteil von modernem Radsport sind
Die Macher der Enhanced Games argumentieren mit bodily autonomy, d.h. körperlicher Selbstbestimmung und wissenschaftlichem Fortschritt. Sie wollen die Grenzen des menschlich Möglichen verschieben und versprechen und alles werde medizinisch überwacht. Zu sagen, dass die Athleten nicht hart für ihre Leistung trainieren ist falsch, aber es fühlt sich dennoch nicht richtig an.
Für den Radsport ist diese Debatte jedoch ein Blick in den Rückspiegel, nicht in die Zukunft. Während die Enhanced Games auf unfaire und für den Körper schädliche Optimierung aus der Spritze setzen, holt der Radsport seine Leistungssteigerungen aus echten, nachhaltigen Innovationen:
- Aero-Optimierung: CFD-Simulationen und Windkanal-Feinschliff.
- Ernährungswissenschaft: Perfekt getaktetes Kohlenhydrat-Management (bis zu 120g/h und mehr).
- Trainingssteuerung: KI-gestützte Auswertung von Leistungsdaten und Herzfrequenzvariabilität (HRV).
Ist das Verbot von leistungssteigernden Mitteln eine veraltete Denke?
Die Enhanced Games mögen als bizarres Medienspektakel oder bio-medizinisches Experiment durchgehen. Als Vorreiter des Spitzensport taugen sie nicht und nur wenige werden die Sportler für ihre Leistungen bejubeln. Die Spiele starteten passend zum Ende der Finalen Staffel von der Superhelden-Serie The Boys. Zum Unmut der Fans war die die letzte Folge wenig spektakulär und die Niederlage des Superman-Verschnitt erbärmlich. Vermutlich wird es auch den Enhanced Games so gehen, wenn die Sponsoren ausbleiben. U.a. hat auch der Sohn von US-Präsident Donald Trump, Donald J. Trump junior in diesem Jahr mitfinanziert.
